Die Reaktionen reichten von "sehr unschön", über "undenkbar" bis hin zur "Katastrophe" – der größte Betrugsfall der europäischen Fußballgeschichte erschüttert derzeit die Sportwelt. Bundesliga-Vertreter äußerten sich geschockt. "Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Ein Bundesligaspiel zu manipulieren, ist schlichtweg undenkbar", sagte Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt. "Diese Betrüger müssen drakonisch bestraft, ausgemerzt werden, weil es sonst unseren Sport kaputt macht", so Jürgen Marbach, der Geschäftsführer des deutschen Meisters VfL Wolfsburg.

"Ich hätte vorher immer ausgeschlossen, dass so was im deutschen Fußball möglich ist", sagte Jörg Schmadtke, der Manager von Hannover 96. Und Bernd Reisig, Geschäftsführer des FSV Frankfurt, nannte den Fall eine Katastrophe. "Das schadet besonders unserem Sport." Es seien wieder einige wenige, die den Hals nicht voll kriegen könnten. 

Hajo Sommers, der Präsident des Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen erklärte, es sei ein "Irrglaube" gewesen, davon auszugehen, dass Wettmanipulationen aufhören, "nur weil vor einigen Jahren mal zwei Betrüger verhaftet worden sind. Solange gewettet werden kann und es geldgeile Menschen gibt, wird weiter versucht, auf diese Art zu betrügen".

Das für den Sport zuständige Bundesinnenministerium zeigte sich beunruhigt: "Es ist sehr unschön, was da als Verdacht in der Welt ist", sagte ein BMI-Sprecher. "Ich begrüße, dass sich die entsprechenden Organisationen und Institutionen des Fußballs hier sehr stark engagieren."

"Das trifft mich wie ein Schlag. Ich bin schockiert, dass in der eigenen Mannschaft so etwas vorgefallen sein soll", sagte der ehemalige Osnabrücker Profi Nico Frommer zu dem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung, wonach seine früheren Teamgefährten beim VfL Osnabrück in mögliche Spielmanipulationen verwickelt sein sollen.

"Gegen Nürnberg ist mir nichts aufgefallen", sagte Frommer in Bezug auf zwei konkret im Verdacht stehende Spiele. "Gegen Augsburg gab es ein, zwei krasse Fehler von uns. Aber ob die wirklich mutwillig waren, so weit möchte ich nicht vorgreifen." Es wäre "Schwachsinn", für ein paar Tausend Euro seine ganze Karriere aufs Spiel zu setzen, sagte Frommer. Der 31-Jährige ist heute für RB Leipzig aktiv.

Im November 2008 waren Ermittler über abgehörte Telefongespräche in der Rotlichtszene im Ruhrgebiet auf die Betrügereien aufmerksam geworden. Verhaftet wurden bislang 17 Verdächtige, davon 15 in Deutschland und zwei in der Schweiz, darunter auch die Drahtzieher. In Deutschland, Österreich, Großbritannien und der Schweiz wurden zudem 50 Objekte durchsucht und zahlreiche Beweismittel sichergestellt. Schwerpunkte der Aktionen in Deutschland lagen in Berlin, Nürnberg und dem Ruhrgebiet. Die Ermittlungen sollen noch Monate andauern.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Ligaverband DFL sicherten derweil ihre "uneingeschränkte Unterstützung" bei der Aufklärung des Skandals zu. "Wir sind froh, dass die staatlichen Behörden mit hoher Kompetenz und der gebotenen Ernsthaftigkeit allen Verdachtsmomenten nachgehen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Die Betrüger sollen Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle bestochen haben, um Spielausgänge zu beeinflussen. Anschließend hätten die Beschuldigten versucht, hohe Geldbeträge bei europäischen und asiatischen Wett-Anbietern gesetzt zu haben. Der Gewinn soll insgesamt mehrere Millionen Euro betragen. Ausgezahlt wurden von den Wettbüros in Europa und Asien nach vorläufigem Stand rund zehn Millionen Euro. Da die Erfolgsquote bei den manipulierten Wetten bei etwa 50 Prozent liege, fällt der Reingewinn niedriger aus.

Deutschland ist mit 32 Begegnungen betroffen, darunter vier aus der 2. Bundesliga. Weitere Länder ohne Erstliga-Bezug sind Belgien und die Schweiz. In Österreich, Kroatien, Slowenien, Türkei, Ungarn, Bosnien und stehen indes Erstliga-Spiele im Fokus. In allen Fällen bestehe ein konkreter Verdacht oder sei Manipulation nachgewiesen worden.