Der Regionalligist SC Verl schloss am Dienstag zwei Spieler vom Spiel- und Trainingsbetrieb aus. Verl gab keinen Grund für die Maßnahme an. Die Ostwestfalen hatten Hinweise erhalten, dass bei den Partien ihrer Mannschaft bei Borussia Mönchengladbach II (4:3) und gegen den 1. FC Köln II (0:1) in der vergangenen Saison Spielmanipulationen versucht worden seien.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sollen insgesamt drei Verler Spieler eingeräumt haben, bei zwei Spielen der Saison 2008/2009 von der Wettmafia bestochen worden zu sein. Ein weiterer Spieler soll bei den geplanten Spielmanipulationen wieder abgesprungen sein und sich vor den beiden mutmaßlich manipulierten Regionalligapartien jeweils krank gemeldet haben. Die Staatsanwaltschaft Bochum, die dem Verdacht von manipulierten Fußballspielen nachgeht, äußerte sich nicht dazu.

"Ich hätte niemals erwartet, dass so etwas in Verl passiert. Wir sind alle so angespannt im Moment, dass ich nicht sagen kann, welche Konsequenzen es noch geben wird", sagte der Vereinsvorsitzende Peter Mankartz. Er ließ offen, wie lange die Suspendierung der Profis anhält. Zuvor hatte am Wochenende der Drittligist SV Sandhausen gegen einen Spieler eine Schutzsperre verhängt, ihm aber sein Vertrauen ausgesprochen.

Der Anwalt eines Verdächtigen, der seit Donnerstag in Untersuchungshaft sitzt, bestätigte, dass Spiele des SC Verl unter Manipulationsverdacht stehen. Der Verhaftete ist ein 34 Jahre alter Mann aus Lippstadt, sagte sein Rechtsbeistand Hans Geisler. Der Kaufmann soll laut Haftbefehl zweimal versucht haben, auf Verler Spieler einzuwirken, um den Spielausgang zu beeinflussen. Sein Mandant bestreite das, sagte der Anwalt.

In Gladbach hatte Verl am 30. Mai eine 3:0-Führung zunächst aus der Hand gegeben, durch ein Tor in der 89. Minute aber doch noch gewonnen. Ein Eigentor führte am 6. Juni zu der Niederlage gegen Köln. Mönchengladbach hat nach Angaben von Sportdirektor Max Eberl seinen Anwalt Christoph Schickhardt eingeschaltet.

Die Ermittler im Ausland meldeten indes weitere Erfolge. Die kroatische Polizei griff an der Grenze einen Slowenen auf, der mit einem in Deutschland ausgestellten Haftbefehl gesucht wurde. Die Schweizer Bundesanwaltschaft bestätigte Agenturberichte, wonach zwei Verdächtige festgenommen wurden. In der Alpenrepublik stehen Spieler der Zweitligisten FC Gossau und FC Thun unter Verdacht. Zwei Profis wurden bereits suspendiert. Die Kicker aus Thun müssen auf Verlangen der Vereinsführung in schriftlichen Erklärungen versichern, dass sie nichts mit Spielmanipulationen zu tun haben.

Die Ermittler haben 200 Fußballspiele in neun europäischen Ländern auf dem Radar. Möglicherweise sind aber noch mehr Verbände betroffen. Nach griechischen Medienberichten hat die Europäische Fußball-Union Uefa dem Verband in Athen Details über 14 Spiele vorgelegt, die unter Manipulationsverdacht stehen. Verbandspräsident Sofoklis Pilavios sagte, er werde das Justizministerium in Athen informieren. Im italienischen Bestechungsskandal haben die Ermittler damit begonnen, die neun Festgenommenen zu vernehmen. Die Drahtzieher sollen der Mafia nahestehen.

Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatten am Montag einen Krisenstab zur Aufarbeitung des Skandals ins Leben gerufen. Aus Frankfurt gab es am Dienstag keine Neuigkeiten. "Wir werden uns täglich austauschen, aber nicht jeden Tag an die Öffentlichkeit treten und mitteilen, die Task Force hat dies oder das gemacht", erklärte ein DFB-Sprecher. Wann die Fachverbände Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft bekommen, sei noch nicht klar.

Nähere Erkenntnisse erhoffen sich die neun betroffenen Verbände vom Krisentreffen bei der Uefa. Sie versammeln sich am Mittwoch in Nyon. Auch der Sportausschuss des Bundestages will die Manipulationsvorwürfe diskutieren. Der Weltverband Fifa will sich auf einer Sondersitzung des Exekutivkomitees am 2. Dezember in Kapstadt mit den Folgen des Skandals beschäftigen.

Sollten sich Verwicklungen von Spielern oder Vereinen in den Wettskandal bestätigen, könnte das neben den strafrechtlichen auch schwerwiegende finanzielle Folgen haben. Der Sportartikelhersteller adidas kündigte an, hart gegen Sportler oder Mannschaften durchzugreifen, die von dem fränkischen Unternehmen ausgerüstet werden und in den Skandal verwickelt sind. "Wir haben in unseren Verträgen mit Sportlern und Vereinen ganz klar drin, dass wir bei kriminellen Vergehen die Zusammenarbeit fristlos kündigen können", sagte adidas-Chef Herbert Hainer.