Die Dimension ist enorm. 200 Tatverdächtige gibt es, 17 Festnahmen und mindestens 200 Spiele, die 2009 möglicherweise manipuliert worden sind. Und für die Ermittler ist das erst der Anfang.

Welche Spiele sind betroffen?

Europaweit sollen es mindestens 200 Spiele sein. In Deutschland sind offenbar 32 Begegnungen betroffen, darunter vier Spiele der Zweiten Liga. Konkrete Spielpaarungen, betreffende Vereine oder Spielernamen gaben die Ermittler nicht bekannt. Laut Medienberichten soll aber der VfL Osnabrück involviert sein. Außerdem seien drei Spiele in der Champions League und zwölf Paarungen in der Europa League, dem ehemaligen Uefa-Pokal, betroffen. Die Ermittler sehen darin aber bisher nur "die Spitze des Eisbergs".

Wie funktionierte die Manipulation?

Ohne auf Details einzugehen, lassen die Ermittler durchblicken, dass die Betrügereien stets ähnlich abgelaufen sind. Über Mittelsmänner haben die Wettprofis Kontakt zu einzelnen Fußballspielern, Funktionären und Schiedsrichtern aufgenommen und "gegen unterschiedlich hohe Entgelte" den Versuch der Spielmanipulation unternommen. Die Wettprofis haben unterdessen bei europäischen und asiatischen Anbietern hohe Summen auf die durch sie beeinflussten Spiele gesetzt. Vom Ruhrgebiet aus agierten die Drahtzieher demnach in halb Europa.

Hat das Frühwarnsystem versagt? 

Abschließend beurteilen kann man das noch nicht. Aber klar scheint, dass das System der Staatsanwaltschaft nicht direkt geholfen hat. Vielmehr kam der Hinweis auf diesen neuen Fall eher durch Zufall. Und das ist nicht untypisch: Wettbetrug ist eine Randspielart der organisierten Kriminalität. So sind auch die Ermittler nur deshalb auf den Wettskandal gestoßen, weil sie Telefonate von Personen abgehört haben, gegen die in anderem Zusammenhang ermittelt worden war. Der Schluss liegt also nahe, dass eben nicht das Warnsystem den entscheidenden Hinweis geliefert hat

Unter Verdacht: Der VfL Osnabrück ist fassungslos. Tobias Romberg berichtet © Friso Gentsch dpa/lni

Nach dem Wettskandal um den Bundesligaschiedsrichter Robert Hoyzer im Jahr 2005 hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Beobachtung des Wettgeschehens verschärft. "Seit 2005 betreiben DFB und Liga in enger Abstimmung das System zur bestmöglichen Überwachung des Wettmarktes, um Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen. Bis zum heutigen Tag haben wir dennoch keine Warnmeldung erhalten", sagt Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Sowohl für den DFB als auch seit 1. Juni 2009 für die Uefa übernimmt diese Beobachtung des Wettgeschehens die Firma Sportradar. Das Unternehmen überwacht Quotenbewegungen. 

Für jedes Spiel, auf das man wetten kann, schlagen Buchmacher Quoten vor. Verändert sich die Quote eines Spiels, wird beobachtet, woran das liegen könnte. Fällt also möglicherweise ein Leistungsträger einer Mannschaft aus, was die Gewinnchancen mindert, ändert sich die Quote. Sportradar verfügt dabei über ein weltweites Netzwerk an Experten und eine umfassende Technik. Finden die Experten keinen rationalen Grund für eine Quotenveränderung, melden sie das ihren Kunden, sprich DFB und Uefa.