Die Feststellung, dass es in Afrika stets besonders viele Verlierer gibt, ist wenig überraschend. Erstaunlich ist allerdings, dass sich diese Erkenntnis auch auf sportliche Wettbewerbe ausweiten lässt. Schon jetzt ist sicher: Der Afrika-Cup, der am Sonntag mit der Partie zwischen Gastgeber Angola und Malawi beginnt, wird nicht nur die Nation Togo in einen Zustand der Fußballdepression stürzen. Am Freitag wurde der Mannschaftsbus der Nationalmannschaft Togos angegriffen, drei Menschen getötet und zwei Spieler verletzt.

Mindestens die Hälfte der nach dem Rückzug des togolesischen Teams verbleibenden 15 Teilnehmer tritt mit dem Ziel an, das Turnier zu gewinnen. Und das ist nicht nur optimistische Träumerei. Regierungen forcieren diese Hoffnungen, die Erwartungen in den Bevölkerungen sind enorm.

"Vom Kind bis zu jedem Opa und jeder Opa erwarten die Leute von uns einen großen Erfolg", sagt etwa der Algerier Karim Matmour, der für Borussia Mönchengladbach spielt. Bei den stark besetzten Maliern, den Fußballgiganten Kamerun, Ghana, Nigeria, Ägypten und Tunesien wurde das selbe Ziele formuliert, und natürlich liebäugelt auch Gastgeber Angola mit dem Titel.

Ganz besonders unter Druck steht die brillant besetzte Mannschaft der Elfenbeinküste. Sie ist der große Favorit. "Mit dieser Generation nichts zu gewinnen, wäre eine wirkliche Verschwendung", sagt Routinier Didier Zokora, immer noch schmerzen die Erlebnisse der Afrikameisterschaften von 2006 und 2008. In beiden Turnieren avancierte die Elfenbeinküste zum Titelanwärter, schied dann aber gegen den späteren Sieger Ägypten aus.

Didier Drogba behauptet gar, für ihn sei "der Afrika-Cup bedeutsamer als eine Weltmeisterschaft". Der Superstar des FC Chelsea hat angekündigt, künftig keine Kontinentalmeisterschaften mehr zu spielen, nach der WM im Sommer steht die wohl beste afrikanische Mannschaft aller Zeiten vor einem personellen Umbruch. Ohne Titel will die goldene Generation sich aber keinesfalls verabschieden. Wo, wenn nicht in Angola, wollen sie sich diesen Traum erfüllen?

Dem deutschen WM-Gegner aus Ghana fehlen während des Afrika-Cups zwar einige Stammspieler, doch "dafür werden einige Jungs dabei sein, die im Herbst mit der U20 Weltmeister geworden sind", sagt Anthony Baffoe, Ghanas Teammanager. Doch sowohl an der Elfenbeinküste als auch in Ghana ist die Gefahr groß, dass ein Misserfolg beim Afrika-Cup die Stimmung vor der WM empfindlich eintrübt.

Wie immer droht nach dem Turnier eine Welle von Trainerentlassungen. "Natürlich wäre es traurig wenn wir das Turnier nicht gewinnen", sagt Guy Demel vom Hamburger SV, "aber ich hoffe sehr, dass dann nicht gleich der Trainer entlassen wird, das wäre ziemlich chaotisch, man kann nicht ein paar Monate vor der WM alles umwerfen." Für die fünf WM-Teilnehmer (Südafrika hat die Qualifikation fürs Kontinentalturnier verpasst) geht es also auch darum, eine gute Grundlage für die Weltmeisterschaft zu erarbeiten. Nach dem Afrika-Cup wird sich zeigen, ob die Nationalverbände und die Sportminister des Kontinents etwas professioneller agieren als in der Vergangenheit.