Mirko Slomka soll Hannover 96 retten. Wenige Stunden nach der Beurlaubung von Cheftrainer Andreas Bergmann präsentierte der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist den alten Bekannten als Nachfolger: Der ehemalige Schalke-Coach Slomka stand bereits als Jugend- und Co-Trainer von Ralf Rangnick in Hannover auf der Gehaltsliste. "Er hat eine Geschichte in Hannover", sagte Vereinschef Martin Kind, "er hat ein überzeugendes Konzept und Visionen für die Zukunft". Zuvor hatten die 96-Verantwortlichen Bergmann von seinem Amt entbunden, das der vorherige Amateurtrainer lediglich 153 Tage innehatte.

Der 42 Jahre alte Slomka tritt damit seinen ersten Job seit seiner Entlassung bei Schalke 04 im April 2008 an, nachdem er in den vergangenen gut anderthalb Jahren bei mehreren Clubs im Gespräch gewesen war. Geklappt hat es nun bei seinem "Heimatverein". Slomka wohnt seit vielen Jahren in Hannover und kennt 96 von seinen ersten Engagements bestens. Zwischen 1989 und 1999 war er in Niedersachsen Jugendtrainer, von 2001 bis 2004 arbeitete er als Assistent von Rangnick.

Für Hannover ist es nach dem Rücktritt von Dieter Hecking der zweite Trainerwechsel, für die Liga bereits der sechste der laufenden Saison. Nach der 0:3-Schmach gegen Hertha und dem Abrutschen auf Tabellenplatz 16 hatte sich die Trennung abgezeichnet. Dennoch hatte der Club zunächst keinen Nachfolger für Bergmann parat und musste erst zahlreiche Gespräche führen. Auch der ehemalige Bochumer Trainer Marcel Koller wurde bei Verhandlungen mit Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke gesehen.

Dass nicht direkt ein neuer Trainer präsentiert werden konnte, erklärte der Sportdirektor mit dem "großen Respekt gegenüber Andreas Bergmann. Ich wollte nicht hinter seinem Rücken mit einem Nachfolger verhandeln." Sondierungsgespräche hatte es allerdings schon kurz nach dem Hertha-Spiel gegeben, laut Medienberichten auch mit Hans Meyer.

Dabei hatte Schmadtke am Wochenende zunächst angekündigt, dass Bergmann auch am kommenden Wochenende in Mainz auf der Bank sitzen werde. Doch die Angst vor dem Abstieg und seinen wirtschaftlichen Folgen überwogen offensichtlich. Nur ein Punkt aus sechs Spielen seit dem Tod von Torhüter Robert Enke im November zerstörte das Vertrauen. Der Druck der Gesellschafter wuchs, und in der Nacht fiel die Entscheidung.

Schmadtke informierte am Morgen erst Bergmann, dann das Team. Der 50 Jahre alte Fußball-Lehrer hatte das Team am 20. August nach Heckings Rücktritt übernommen. 96 war damals von Heckings Entscheidung überrascht worden und hatte den Coach der Regionalligamannschaft zunächst nur kommissarisch eingesetzt.

"Nach drei Niederlagen hintereinander und einer Negativ-Serie von mittlerweile sieben Spielen ohne Sieg hatten die Verantwortlichen von Hannover 96 nicht mehr das Gefühl, dass Andreas Bergmann der Mannschaft die nötigen Impulse für den Verbleib in der Bundesliga geben kann", erklärte Schmadtke. 

Bergmann galt unter 96-Fans als zu weich und zu verständnisvoll gegenüber den Profis. "Jetzt haben die Spieler den Trainer, den sie wollten", hatte Clubchef Kind über Bergmann gesagt, in der Folge aber an dessen öffentlicher Demontage mitgearbeitet, als er nach einer Testspiel-Niederlage gefordert hatte: "Bergmann muss härter arbeiten und stärker handeln."

96-Profi Arnold Bruggink sagte zu der Beurlaubung: "Das ist sehr enttäuschend für uns. Wir fühlen uns sehr schlecht." Der von Bergmann zum Kapitän beförderte Niederländer meinte: "Wir haben unter Andreas Bergmann auch gute Spiel gehabt und uns fußballerisch gesteigert."