ZEIT ONLINE: Herr Pfister, ist es sinnvoll sechs Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft den Afrika-Cup auszutragen?

Otto Pfister: Natürlich ist das nicht optimal. Die nominierten Spieler haben keine Pause. Während in den meisten europäischen Ligen über Weihnachten der Spielbetrieb ruhte, mussten sie ins Trainingslager für den Africa-Cup. Und nach der Saison beginnt gleich die Vorbereitung für die WM. Da wird man irgendwann müde. Aber der Afrika-Cup ist für die Leute dort nun mal wahnsinnig wichtig.

ZEIT ONLINE: Wichtiger als die WM?

Pfister: Für die Afrikaner ja. Der Africa-Cup elektrisiert den ganzen Kontinent. Bei der Weltmeisterschaft kommt eine afrikanische Mannschaft mal ins Viertelfinale, wenn es gut läuft. Meistens ist schon nach der Gruppenphase Schluss. Aber beim Afrika-Cup treffen die 16 besten Teams aus Afrika aufeinander. Die Wirkung ist unglaublich.

ZEIT ONLINE: Könnte man nicht auf den zweijährigen zugunsten eines vierjährigen Turnus verzichten, wie das Berti Vogts als Nationaltrainer von Nigeria einmal gefordert hat?

Pfister: Das ist eine Tradition. Wer das ändern will, hat keine Ahnung von der Bedeutung des Turniers für die Menschen in Afrika.

ZEIT ONLINE: Sie sind 2008 mit Kamerun beim Afrika-Cup bis ins Finale vorgestoßen. Vor fünf Monaten haben Sie Ihren Vertrag in Kamerun gekündigt.

Pfister: Man hat ohne mein Wissen den Assistenztrainer ausgewechselt. Da habe ich nicht mitgemacht. In einer solchen Situation muss man konsequent sein. Das ist eine Frage des Charakters. Vielen Trainern fehlt der Mumm. Wenn ich als Trainer in der Zeitung über mich lese, dass ich am Wochenende meine letzte Chance bekomme, dann würde ich gleich Tschüss sagen. Bei uns in Deutschland gibt es Trainer, die lassen sich das Spielchen gefallen.

ZEIT ONLINE: Bei der WM 2006 verließen Sie wegen eines Streits mit dem togoischen Verband das Mannschaftsquartier, ein wohl einmaliger Vorgang in der WM-Geschichte.

Pfister: Wenn ich merke, dass etwas der Mannschaft schadet, dann ist Schluss. Es ging um Geld, das den Spielern zustand. Weil die Sache nicht wie versprochen geregelt wurde, habe ich gekündigt. Da war ich eiskalt. Wenig später einigte ich mich mit dem Staatspräsidenten auf eine Fortsetzung meiner Arbeit. Es sind sicherlich nicht alle Funktionäre in Afrika so. Aber es gibt einige, die nutzen ihre Position im Fußball dafür aus, um ihre soziale Situation zu verbessern. In Afrika ist der Fußball noch populärer als in Europa. Es geht um viel Geld. Alle Beteiligten versuchen, davon etwas abzubekommen. Als Nationaltrainer ist man permanent damit konfrontiert.

ZEIT ONLINE: Dennoch haben Sie immer wieder neue Herausforderungen in Afrika gesucht.

Pfister: Trotz des ganzen Theaters überwiegen die positiven Seiten. Ich will mit meinen 72 Jahren immer noch reisen, mich weiterbilden, neue Kulturen kennenlernen. Außerdem: Was gibt es Schöneres, als mit Weltklassespielern zu arbeiten. Das ist doch besser als nur dumm herumzusitzen. Der Otto Rehhagel ist genauso alt wie ich und will auch noch nicht aufhören.