Auf dem Platz ist ein Unentscheiden ein Unentschieden, doch vor Gericht kommt es häufig vor, dass sich beide Seiten als Sieger aufführen. So auch gestern, nachdem sich der DFB und Manfred Amerell vor dem Landgericht München geeinigt hatten.

Seitens des DFB, des Beklagten, war von einem vollen Erfolg die Rede. Manfred Amerell wertet das Ergebnis ebenso, weil er nun die Namen der drei Schiedsrichter kennt, die ihn anonym per Eidesstattlicher Versicherung der sexuellen Belästigung bezichtigen. Zwar darf er deren Namen nicht öffentlich nennen, nur seiner Frau und seinem Anwalt. Doch, das ist ausdrücklich geregelt, darf er sie verklagen.

Genau das gedenke er zu tun, kündigte Amerell gestern in der TV-Sendung Kerner an: "Alle vier werden demnächst vom Staatsanwalt hören." Der vierte ist Michael Kempter, der einzige, der Amerell öffentlich beschuldigt.

Sein Verhältnis zu Kempter sei jedoch einvernehmlich gewesen, behauptete Amerell. "Wir haben uns sehr gemocht. Ob wir uns geliebt haben, weiß ich nicht." Eine Liebesbeziehung zu Kempter habe er jedoch nicht gepflegt, fuhr er fort, räumte aber "drei körperliche Kontakte" ein. Auf die Frage, ob er bisexuell sei, entgegnete Amerell, Ehemann mit zwei Kindern: "Das könnte man so ausdrücken." Dabei präsentierte Amerell dem Fernsehpublikum E-Mails, die von Kempter zu stammen scheinen und die Amerell bestätigen dürften.

Scharf kritisierte Amerell den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger: "Er hat in blindwütiger Weise zwei Menschen kaputt gemacht", sagte er dem Fernsehmoderator und warf ihm Einseitigkeit und Unfähigkeit vor, Konflikte zu verhandeln. Zwanziger hat seine Vorgehensweise vor allem an den Aussagen des Zeugen Kempter orientiert, Amerell sei dazu nie gehört worden.

Zwanziger hatte gestern Morgen für den Fall einer juristischen Niederlage seinen Rücktritt angekündigt. Die Folgen heute sind Spekulationen der Presse über Franz Beckenbauer als Nachfolger.