Theo Zwanziger bleibt trotz der Kritik an seiner Person im Schiedsrichter-Skandal um Manfred Amerell als DFB-Präsident im Amt. "Ich bin sehr zufrieden und habe mich sehr über den Vertrauensbeweis von Vorstand und Präsidium gefreut", sagte er nach einer Präsidiums- und Vorstandssitzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), auf der Zwanziger die Vertrauensfrage gestellt hatte. Alle 47 Vorstandsmitglieder sprachen sich für den 64-jährigen Spitzenfunktionär aus. Zwanziger will sich beim Bundestag im Oktober für weitere drei Jahre als Chef des Sportfachverbandes der Welt wählen lassen.

Er gestand, dass er einen Rücktritt erwägt habe: "Natürlich habe ich in dieser Woche auch sehr wohl darüber nachgedacht: Macht dir dieses Amt noch so viel Spaß und Freude, dass du es dir und deiner Familie noch antun willst? Natürlich lässt mich die Kritik nicht kalt."

Als Präsident des größten Sportfachverbandes der Welt mit 6,7 Millionen Mitgliedern hatte Zwanziger seinen 18 Kollegen im Präsidium und den insgesamt 57 Vorstandsmitgliedern erklärt, warum der DFB so spät von den gegen Amerell erhobenen Vorwürfen der sexuellen Belästigung erfuhr. Schiedsrichter-Chef Volker Roth hatte die von Bundesliga-Referee Michael Kempter gemachten Aussagen erst einen Monat später weitergeleitet.

Amerell bestreitet die Vorwürfe. Weil der frühere DFB-Funktionär Zwanziger eine einseitige Aufklärung vorwirft, hat der Verband angekündigt, ihn wegen übler Nachrede und Verleumdung anzuzeigen.

Amerell sieht dem gelassen entgegen. "Ich glaube, die haben nicht damit gerechnet, dass ich das durchstehe, aber da haben sie mich wohl falsch eingeschätzt", sagte Amerell der Augsburger Allgemeinen. Er unterstellt Zwanziger zudem, den Unparteiischen Markus Wingenbach aus seinem Heimatverein VfL Altendiez unrechtmäßig befördert zu haben.

Bei einem außerordentlichen Bundestag bereits am 9. April soll die Reform des Schiedsrichterwesens vorangetrieben werden. Der angehende Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel hatte gemeinsam mit DFB-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich und Hellmut Krug von der DFL ein Zukunftskonzept erarbeitet. Bei den Schiedsrichter-Ansetzungen soll künftig jegliche Art der Multifunktionalität vermieden werden, die Benotung durch die Schiedsrichterbeobachter an Bedeutung verlieren. Zudem sollen junge Referees künftig von mehreren Mentoren betreut werden.

Zwanziger befürwortet einen außerordentlichen Bundestag am 30. April, auf dem Roth vom ehemaligen FIFA-Referee Fandel abgelöst werden könnte. Zu Spekulationen, dass es zum Wachwechsel zwischen ihm und Roth vor dem geplanten Termin im Oktober kommt, wollte sich Fandel nicht äußern. Eine vorzeitige Ablösung werde er auf keinen Fall forcieren, stellte der Konzertpianist aus Kyllburg klar. "Ich bin immer dafür zu haben, etwas Neues zu beginnen. Aber ich würde ungern etwas Altes beenden", sagte Fandel.