Nein, auch wenn in der Literatur immer wieder Fälle auftauchen, in denen ein psychischer Schock solche Folgen nach sich zieht. Schon Grimmelshausen erzählte im "Simplicissimus" von einem Mann, dessen Haare und Bart eines Morgens grau waren, "wiewohl er den Abend als ein dreißigjähriger Mann mit schwarzen Haaren zu Bette gegangen sei". Solche Geschichten können nicht stimmen: Haare bestehen aus toten Zellen, ähnlich wie Fingernägel. Sind die Farbpigmente einmal drin, bleiben sie es. Graue (also farblose) Haare können nur von der Wurzel her nachwachsen, der Prozeß ist also ein allmählicher.

Eine mögliche Erklärung für ein scheinbar schnelles Ergrauen: Bekanntlich übt die Psyche Einfluß auf das Immunsystem aus. Nun gibt es eine Autoimmunkrankheit mit dem Namen Alopecia areata diffusa, bei der die Kopfhaare ausfallen - teilweise recht schnell, wenn auch nicht über Nacht. Aus ungeklärten Gründen sind die pigmentierten Haare anfälliger. Die grauen Haare, die bereits vorher da waren, bleiben übrig und fallen nun mehr auf. Christoph Drösser

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