Viele Generationen von geplagten Müttern haben schon die eigene Ernährung für die Darmkoliken ihres Säuglings verantwortlich gemacht und sich fast nur noch von Wasser und Brot ernährt. Doch meistens hat das nichts geholfen. Das Kind schrie weiter.

Die meisten Mütter müssten sich solche Selbstbeschränkungen nicht auferlegen. Ein Autor der Fachzeitschrift tägliche praxis jedenfalls fand kaum wissenschaftliche Belege dafür, dass die Ernährung der Mutter für Blähungen beim gestillten Kind sorgt. Es sei oft noch nicht einmal sicher, dass der Grund für das Geschrei der Babys überhaupt Blähungen sind. Vor allem aber entstünden beim Erwachsenen die Darmwinde entweder durch verschluckte Luft oder durch den bakteriellen Abbau unverdauter Ballaststoffe, etwa aus Hülsenfrüchten - und was nicht verdaut wird, gelangt ebenso wenig in die mütterliche Milch wie irgendwelche Gase.

Die Zeitschrift führt dann noch eine Untersuchung an, bei der 272 stillende Mütter über den Zusammenhang von Ernährung und Koliken befragt wurden. Dabei ergab sich nur bei Kuhmilch, Zwiebeln und Kohl eine schwache Korrelation - wobei das Ergebnis sicherlich auch von der Erwartung der Mütter geprägt war.

In einem Fall kann es aber tatsächlich zu Komplikationen kommen, nämlich wenn der Säugling gegen Kuhmilch-Eiweiß allergisch ist. Dann sollte die Mutter tunlichst auf Milchprodukte verzichten. Christoph Drösser

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