Diese Woche scheiterte zuerst der Bildungsstreik , einen Tag später der Bildungsgipfel . Ist es zu weit hergeholt, einen Zusammenhang zu sehen zwischen dem kraftlosen Protest einiger Zehntausend versprengter Restdemonstranten und dem kraftlosen Feilschen der Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung auf der fast schon wieder abbruchreifen Baustelle der Bildungsrepublik?

Die Streiks für eine bessere Bildung haben vor allem deshalb an Kraft verloren, weil die Schüler und Studenten kein konkretes programmatisches Ziel haben, hinter dem sich alle versammeln könnten. Und das Ziel, eine große Protestbewegung auf die Beine zu stellen, haben sie vergangenes Jahr bereits erreicht.

Dass der Bildungsgipfel im dritten Anlauf fast ausschließlich alte Worthülsen und, schlimmer noch, neue Enttäuschungen produziert hat, ist auch Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Machtlosigkeit. Der Druck auf die Politiker, die noch im vergangenen Herbst alles Mögliche versprochen haben angesichts machtvoller Hörsaalbesetzungen und Hunderttausender Demonstranten, ist nicht mehr da.

Jetzt zeigt sich, dass viele Versprechen von damals nur Ausflüchte waren, Hinhaltetaktik wider besseres Wissen. Wie erleichtert müssen die Ministerpräsidenten heute sein, dass die Demonstranten ihre Kraft mit Diskussionen über die hochgebauschten Probleme der Bologna-Reform verbraucht haben anstatt über die wirklich im Argen liegende Bildungsfinanzierung .

Jetzt zeigt sich, dass Welten liegen zwischen der aktuellen Wirklichkeit des Bildungssparens in den Bundesländern und der Vollendung der Bildungsrepublik , die sie auch gestern wieder auf dem Gipfel beschworen haben. Welten der Mutlosigkeit, aber auch Welten der bewussten Prioritätensetzung – und zwar zulasten der Bildung.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist dabei noch der geringste Vorwurf zu machen. Sie hat es geschafft, auf der Haushaltssparklausur Anfang Juni ihren enorm gewachsenen Etat vor allzu schmerzhaften Kürzungen zu bewahren. Natürlich ist es nur die halbe Wahrheit, wenn sie behauptet, ganz ohne Blessuren davonzukommen. Durch kleine Schiebereien im Haushalt wird man auch bei ihr ganz unauffällig den einen oder anderen Euro herausholen, ohne dass von Schavan immer wieder beschworene Zwölf-Milliarden-Paket für Bildung und Forschung offiziell rupfen zu müssen.