Die Staatsanwaltschaft Heidelberg prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Silvana Koch-Mehrin. Die Vizepräsidentin des Europaparlaments soll Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben, ohne die Quellen korrekt angegeben zu haben.

Der Staatsanwalt prüfe, ob die Plagiatsvorwürfe gegen die 40-Jährige "möglicherweise strafrechtlich relevant" seien, sagte ein Behördensprecher. Rechercheure dokumentierten auf der Website VroniPlag Wiki bis zum Mittwochnachmittag 35 solcher Stellen, die von fremden Autoren stammen sollen.

Die 227 Seiten starke Arbeit Koch-Mehrins wird derzeit außerdem an der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg geprüft. Dort hatte die Politikerin 2001 zum Thema "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" promoviert. Die Staatsanwaltschaft will zunächst abwarten, zu welchem Ergebnis die Universität kommt. Ob dann eine "strafrechtlich relevante Urheberrechtsverletzung" vorliege, hängt nach Angaben des Sprechers von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zähle auch eine mögliche Verjährung.

Wegen solcher Textübernahmen in seiner Dissertation war Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zurückgetreten. Die Universität Bayreuth hatte ihm zuvor den Doktortitel aberkannt. Mehr als 100 Strafanzeigen gingen bei der Staatsanwaltschaft Hof ein. Gegen Guttenberg läuft bereits ein Ermittlungsverfahren. Der Bundestag, bei dessen wissenschaftlichen Gutachten sich Guttenberg ebenfalls bedient hatte, verzichtete auf einen Strafantrag.

Guttenberg erklärte sich mittlerweile mit der Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen der Universität zu seiner Doktorarbeit einverstanden. "Er wendet sich allerdings dagegen, dass Ergebnisse der Arbeit der Zweiten Kommission der Universität Bayreuth an die Presse lanciert werden und wurden, bevor das Verfahren beendet ist", teilten seine Anwälte mit.