Bernd Althusmann (CDU) muss wegen der Plagiatsvorwürfe weiter den Entzug seines Doktortitels befürchten. Der Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Potsdam, hat die erste Überprüfung der Dissertation abgeschlossen. Das Ergebnis: Der Plagiatsverdacht gegen Niedersachsens Kultusminister bleibt bestehen. Die Hochschule wird nun ein Untersuchungsverfahren einleiten, in dem die Doktorarbeit weiter geprüft werden soll, heißt es in einer Mitteilung.

Die Begutachtung wäre entfallen, hätte sich der Plagiatsverdacht nicht weiter bestätigt oder wäre ausgeräumt worden. "Beides ist hier nicht der Fall", teilte die Universität mit. Als nächstes wird sich nun eine "Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens" des Falles annehmen. Den Vorsitz der Kommission übernimmt der Juraprofessor Tobias Lettl. Das Gremium tagt voraussichtlich am 26. August zum ersten Mal. Ein früherer Termin sei urlaubsbedingt nicht möglich.

Vor drei Wochen hatte die ZEIT berichtet, Althusmann habe in seiner Doktorarbeit vielfach fremdes geistiges Eigentum verwendet, ohne dies in der notwendigen Weise kenntlich zu machen. Die ZEIT berief sich dabei auf ein Gutachten, das sie nach einem Anfangsverdacht in Auftrag gegeben hatte. Seitdem läuft die Diskussion, ob es sich bei Althusmanns Zitationsweise nur um Pfusch oder bereits um Betrug handelt. Der Kultusminister selbst hat "mögliche handwerkliche Fehler" eingeräumt – den Täuschungsvorwurf jedoch zurückgewiesen. Er habe die Promotion nach "bestem Wissen angefertigt".

Der Politiker und dessen Rechtsbeistand hatten auf die Plagiatsvorwürfe reagiert und eine Stellungnahme an der Uni eingereicht. Diese beinhaltet ein wissenschaftliches Gegengutachten von anderen Hochschulprofessoren, das die Plagiatsvorwürfe entkräften soll. Die Autoren der ersten Analyse werden darin attackiert, weil sie wissenschaftliche Zitierregeln selbst missachtet hätten, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Ob Althusmann vorhat, das Gutachten zu veröffentlichen, ist unklar.

Seine Doktorarbeit verteidigt Althusmann weiter gegen jegliche Vorwürfe. "Eine neue Sachlage ist nicht eingetreten", sagte der CDU-Politiker in Hannover. Dass die Universität Potsdam eine spezielle Kommission zur Untersuchung der Vorwürfe einsetzen wolle, bezeichnete er als normalen Vorgang. Er habe sich in seiner Arbeit kein fremdes geistiges Eigentum zu eigen gemacht: "Jede Unterstellung der Täuschung weise ich nach wie vor entschieden zurück." Ob er diese Einschätzung aufrechterhalten kann, obliegt nun den Gutachtern der Universität Potsdam.