Mlyneks Selbstbewusstsein speist sich nicht zuletzt aus der pole position, die die Finanzierungsmodalitäten der Gemeinschaft verschaffen. Anders als die Max-Planck-Gesellschaft und die Leibniz-Gemeinschaft wird Helmholtz nicht nur zu fünfzig, sondern zu neunzig Prozent vom Bund finanziert. Jetzt, da die Länder angesichts der Schuldenbremse immer größere Schwierigkeiten mit ihren Haushalten haben, entwickelt sich das zunehmend zu einem Vorteil.

Die Leibniz-Gemeinschaft bekam das im vergangenen Jahr zu spüren. Sie musste ihr Institut für Meeresforschung in Kiel, das IFM-Geomar, der Helmholtz-Gemeinschaft überlassen. Die Ansicht setzte sich durch, Schleswig-Holstein habe mit der Bundesregierung einen Kuhhandel abgeschlossen: Um die Stimme des Landes für ihr "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" zu bekommen, nahm es ihm die finanzielle Last des Geomar von den Schultern. Die Leibniz-Gemeinschaft war schockiert. Und die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) warnte vor einer "Helmholtzifizierung". Denn bei Helmholtz nehme der Bund "top-down" Einfluss auf die Themen der Forschung.

Auch die Struktur der Forschungslandschaft beeinflusst Bundesforschungsministerin Annette Schavan über die Helmholtz-Gemeinschaft: indem sie (Teil-)Fusionen von Unis mit Helmholtz-Instituten unterstützt, weil hier die Zustimmung allein des Sitzlandes reicht. Schavan hat erklärt, dass sie im Karlsruher KIT und in der geplanten Fusion von Teilen der Charité-Forschung mit dem Max-Delbrück-Centrum Vorbilder für weitere Ehen mit Helmholtz sieht. Zu der Strategie-Skizze will sie sich nicht äußern.

In Zukunft keine Konkurrenz mehr

Was soll an den Plänen falsch sein? Kooperationen zwischen den Außeruniversitären und Universitäten sind schließlich von allen Akteuren hochgradig erwünscht. So sieht es auch Mlynek: "Wir haben eine bestimmte forschungspolitische Rolle und bestimmte Themen. Diese wollen wir strategisch vorantreiben." Partner aus den Universitäten wolle Helmholtz "mit an Bord nehmen", "damit sie uns stärken und ergänzen". Die Unis würden dazu nicht gezwungen.

Dem widerspricht jedoch die Grüne Krista Sager. Helmholtz’ Geld ermögliche angesichts der Unterfinanzierung der Universitäten die "Vermachtung" wissenschaftlicher Kooperationen. Helmholtz könne so seine inhaltlichen Prioritäten durchsetzen. Uni-Wissenschaftler, die "da nicht mitziehen", müssten damit leben, "außen vor" zu sein.

Sager irritiert es besonders, dass die Helmholtz-Gemeinschaft ihren Anspruch auf Dominanz lediglich mit ihrer bereits erreichten Größe und Finanzkraft begründe: "Es ist nicht zu erkennen, dass die Helmholtz-Gemeinschaft sich zukünftig einer wettbewerblichen Qualitätsüberprüfung in Konkurrenz zu anderen Forschungseinrichtungen und Universitäten stellen will", sagt sie.

Dies wurde bereits vielfach bei den umstrittenen sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZG) kritisiert, mit denen der Bund die Erforschung großer Volkskrankheiten fördert. Ein Helmholtz-Zentrum kooperiert dabei jeweils mit mehreren Unis und anderen außeruniversitären Instituten. Doch die Uniklinika mussten sich einer "Besten-Auswahl" stellen, während die Helmholtz-Institute als cash cows schon gesetzt waren.