Auch die Finanzierungs- und Entscheidungswege in den DGZ begünstigen die Helmholtz-Gemeinschaft: Die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin hat bereits von Helmholtz "Respekt" gefordert. Befürchtet wird auch ein "Braindrain", wenn Helmholtz Wissenschaftlern bessere Konditionen bieten kann als die Unis. Helmholtz-Präsident Mlynek hält solche Klagen für wirklichkeitsfern: "Die Unis sind nicht untergebuttert worden. Das sehen nur ganz wenige so."

Wie könnte es weitergehen? Nach dem Scheitern des KIT-Clusters im Exzellenzwettbewerb sei jedenfalls klar geworden: "Große Fusionen sind kein Garant für wissenschaftlichen Erfolg", sagt Krista Sager. Dem müssten sich auch Mlynek und Schavan stellen.

DFG-Präsident Matthias Kleiner fordert "Balance". Dazu müssten die Unis "in den Fahrersitz gesetzt werden", erklärt er auf Anfrage. Von ihnen sollte die Initiative zu Kooperationen ausgehen, sie sollten deren Richtung und Intensität bestimmen. Geeignete finanzielle Instrumente müssten geschaffen werden.

Die EFI-Kommission hat sich für eine große Reform ausgesprochen, um Unwuchten zu verringern: Für die vier Forschungsorganisationen solle der gleiche Finanzierungsschlüssel gelten: 70 Prozent der Mittel vom Bund, 30 von den Ländern. Politische Bewegung in diese Richtung ist jedoch nicht zu erkennen.

Mlynek schließlich hofft, dass Schavan mit ihrem Vorschlag zur Grundgesetzänderung durchkommt. Der Bund könnte dann Einrichtungen an Unis direkt – ohne rechtlich komplizierte Umwege über Helmholtz – bezuschussen. "Das würde den Druck von der Helmholtz-Gemeinschaft nehmen, sich ständig rechtfertigen zu müssen", sagt Mlynek.

Richtig weichen würde der Rechtfertigungsdruck auf Helmholtz aber wohl erst dann, wenn Finanzen und Entscheidungswege die Unis in die pole position der deutschen Wissenschaft brächten.

Erschienen im Tagesspiegel