Karl-Theodor zu Guttenberg: Der 94-Prozent-Plagiator

Beruf/Amt:

2009 Bundesminister für Wirtschaft und Technologie; 2010 bis 2011 Verteidigungsminister

Dissertation:

"Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" (Rechtswissenschaften, Uni Bayreuth)

Erstellungszeitraum: 1999 bis 2006
Veröffentlichung: 2009
Plagiatanteil laut GuttenPlag : 94 Prozent

Tätigkeiten im Verfassungszeitraum:

Seit 2002: Mitglied im Bundestag und im Kreisrat des Kreistags Kulmbach

Ab 2005: Vorsitzender der CDU /CSU Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss und Sprecher der CDU/CSU-Fraktion für Abrüstung, Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle

Aufdeckungsgeschichte:

12. Februar 2011: Der Rechtswissenschaftler Andreas Fischer-Lescano entdeckt erste Plagiatsstellen , während er die Arbeit für eine Rezension liest. Fischer-Lescano informiert die Universität Bayreuth und die Gutachter Peter Häberle und Rudolf Streinz. Außerdem wendet er sich an zwei Redakteure der Süddeutschen Zeitung (SZ).

16. Februar 2011: In der SZ erscheint ein Artikel über Fischer-Lescanos Vorwürfe und eine erste Stellungnahme Guttenbergs.

17. Februar 2011: Eine anonyme Person gründet die Online-Plattform GuttenPlag-Wiki. Sie macht Guttenbergs Dissertation der Öffentlichkeit zugänglich und ermöglicht es jedem Internetnutzer, nach abgeschriebenen Stellen zu suchen. Vier Tage später veröffentlicht GuttenPlag-Wiki einen Bericht, in dem 271 Plagiatsstellen dokumentiert sind. Am gleichen Tag bittet Guttenberg die Universität Bayreuth um Rücknahme seines Titels.

Reaktion der Universität:

16. Februar 2011: Auf Fischer-Lescanos Hinweis veranlasst Diethelm Klippel, Ombudsmann der Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" der Universität Bayreuth, eine Prüfung der Dissertation Guttenbergs.

23. Februar 2011: Nach einer vorläufigen Prüfung erkennt die Universität Guttenberg den Doktorgrad ab . Am 1. März gibt Guttenberg seinen Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers bekannt.

5. Mai 2011: Die Kommission veröffentlicht einen endgültigen Bericht, in dem sie Guttenberg vorsätzliche Täuschung vorwirft. Begründung: "Die Kommission vermag nicht nachzuvollziehen, dass jemand, der über Jahre Quellen für seine Dissertation bearbeitet, derart in einen Zustand der Dauervergesslichkeit gerät, dass ihm die allerorten in seiner Arbeit nachweisbaren Falschangaben vollständig aus dem Bewusstsein geraten."