In Baden-Württemberg sollen künftig strengere Regeln für Promotionen gelten. Ein Gesetzentwurf der grün-roten Regierung sieht vor, eine verbindliche Betreuungsvereinbarung zwischen Betreuern und Doktoranden einzuführen. Ziel sei es, die Qualität von Promotionen zu sichern, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne).

Dem Entwurf zufolge soll in der Betreuungsvereinbarung ein Zeitplan für Betreuungsgespräche festgelegt werden. Außerdem soll eine Ombudsperson für das Promotionsverfahren bestimmt werden, die zum Beispiel als Zweitgutachter eingesetzt werden kann. Weiter gibt es eine "Verpflichtung über die Beachtung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis". 

In der Vergangenheit hatten mehrere Fälle von Wissenschaftsbetrug zu einer Diskussion über die Qualitätssicherung an Hochschulen geführt.

Experten wie der Kölner Rechtsprofessor Christian von Coelln geben zu bedenken, die Betreuungsvereinbarung könne die Freiheit der Doktoranden beschneiden: "Nicht jeder will sich ständig mit seinem Doktorvater treffen." Helmuth Schulze-Fielitz, der die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Fragen des wissenschaftlichen Fehlverhaltens berät, hält Doktoranden durch die aktuelle Debatte für ausreichend sensibilisiert: "Ich habe derzeit eine Doktorandin, die sich noch einmal zwei Monate erbeten hat, nur um zu prüfen, ob sie nicht irgendwo aus Versehen fünf Worte ohne Gänsefüßchen übernommen hat."

Von den Änderungen unberührt bleibt die eidesstattliche Versicherung: Haben Doktoranden diese unterschrieben, können sie im Fall eines Betrugs strafrechtlich verfolgt werden. Die Hochschule kann Promovierende zwar auffordern, eine eidesstattliche Versicherung zu unterschreiben, verpflichtend ist dies aber nicht.