Die Mentee:
Claudia Acquistapace, 29, aus Pisa.
Schreibt momentan ihre Doktorarbeit in Physik an der Uni Köln:

Claudia Arquistapace © Eva Kopytto

"Ich habe bislang in Italien an zwei Unis studiert und dort gab es leider keine Mentoring-Programme. Ich freu mich über diese Chance. Und dass meine Mentorin eine Frau ist. In Pisa, wo ich studiert habe, gab es an meiner Fakultät nur eine einzige Professorin. Ich finde es wichtig, dass noch mehr Frauen naturwissenschaftliche Karrieren angehen und genau dafür ist das Mentoring-Programm ein guter Katalysator.

Frau Lennartz ist wichtig für mich, da ich als Ausländerin hier keinen kenne und sonst nicht wüsste, wen ich für was ansprechen kann – und vor allem wie. Denn auch die Umgangsformen sind teilweise anders als in Italien. Die Deutschen sind so furchtbar strukturiert und organisiert. Da kann ich mich nicht mal spontan mit einem Kolleggen zum Kaffee verabreden, sondern muss erst per Mail einen Termin vereinbaren. Da kann mir meine Mentorin helfen, damit ich möglichst nicht in kulturelle Fettnäpfchen trete.

Bald fahre ich auch auf zwei wichtige Konferenzen. Ich bin schüchtern und weiß nicht so recht, wie ich da auftreten soll. Oder wie ich an bekannte Professoren herantreten kann, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Außerdem berät sie mich darin, wann der beste Zeitraum dafür ist, Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Aber auch welchen Zeitplan und welche Deadlines ich einhalten muss, wenn ich zum Beispiel an Fördergelder kommen will."

Die Mentorin:
Sabine Lennartz-Sassinek, 34, Post-Doktorandin am Institut für Geophysik und Meteorologie an der Uni Köln

Sabine Lennartz-Sassinek © Eva Kopytto

"Ich bin das erste Mal Mentorin und es fühlt sich gut an. Ich habe selbst zwei Jahre im Ausland, in Schottland, geforscht und weiß aus eigener Erfahrung, dass man jeden Tipp gut gebrauchen kann.

Ich habe in meiner wissenschaftlichen Laufbahn leider einige Deadlines für Fördermittel verpasst und mich darüber geärgert. Allerdings hatte ich auch keinen, der mir aufgezeigt hat, wo es welche Möglichkeiten gibt. Diese Erfahrungen gebe ich auch an meine Mentee weiter, damit sie aus meinen Fehlern lernen kann. Gleichzeitig kann ich ihr berufliche und finanzielle Perspektiven aufzeigen, die sie selbst gar nicht auf dem Schirm hat.

Für mich gehören zum Mentoring neben fachlichen auch persönliche Ratschläge. Ich sage immer: Lieber eine Bewerbung mehr als weniger.

Und auch ich kann wichtige Erfahrungen in der Betreuung sammeln und beobachten, wie das Früchte trägt. Das ist ein Bonus für meinen Lebenslauf, auch für später, wenn es um die Bewerbung auf eine Professoren-Stelle geht.    

Ich finde, man lernt bei so einer Betreuung nicht nur viel über andere, sondern auch über sich selbst. Außerdem reizt mich der interkulturelle Aspekt. Ich bin immer neugierig von meinem Mentee zu erfahren, was hier anders läuft als in Italien."