"Na, reitet ihr auf Kamelen zur Schule?"

Jasmin Atta, 19, studiert "Law and Economics" in Bonn, 3. Semester. © privat



Ich habe viel Glück gehabt im Vergleich zu anderen Muslimen in Deutschland. Meine Eltern sind beide Akademiker und haben immer großen Wert auf Bildung gelegt. Meine Mutter hat sich dann, wie andere Mütter auch, sehr in der Schule für mich engagiert. Ich sehe aber nicht "typisch Deutsch" aus: Mein Vater ist Ägypter, meine Mutter Deutsch-Ägypterin. Da hört man von Mitschülern einige dumme Sprüche: "Na, reitet ihr in Ägypten auf Kamelen zur Schule?"



In der Uni ist das deutlich weniger geworden, aber es ist für mich trotzdem noch erschreckend, wie wenig da einige Leute über den Islam und den arabischen Kulturraum wissen. Gerade bei der derzeitigen Situation im Irak und Syrien gibt es da entnervende Diskussionen – oder auch Bemerkungen, dass ich ja den gleichen Nachnamen habe wie einer der Attentäter vom 11. September, Mohammed Atta. Vielen Dank, das weiß ich selbst.



Das Avicenna-Stipendium ist für mich natürlich finanziell schön, es ist mir aber besonders wichtig, mir mit anderen Stipendiaten zu überlegen, wie wir den Dialog zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in Deutschland fördern können. Ich engagiere mich momentan in einem Verein, der Missverständnisse zwischen Schülern und Eltern mit Migrationshintergrund auf der einen Seite und Kindergärtnern und Lehrern auf der anderen Seite ausräumen möchte. Da gibt es zum Beispiel deutsch-türkische oder deutsch-arabische Lesezirkel. Eine Kommilitonin von mir wurde vom katholischen Cusanus-Werk aufgenommen, und wir überlegen auch schon, welche katholisch-muslimischen Projekte wir organisieren könnten.

Ich würde mich als gläubige Muslima bezeichnen. Vor Kurzem war ich zum Beispiel mit meiner Mutter auf der kleinen Hadj, der Pilgerfahrt nach Mekka und Medina. Der Glaube ist für mich eine wichtige Stütze, er erinnert mich daran, dass ich mir nicht nur um mich selbst, sondern auch um die Gemeinschaft Gedanken machen muss. Daher finde ich es so schlimm, dass sich Mörder wie der IS "Islamisch" nennen – das hat mit dem Islam nichts zu tun. Und da sind wir als neue muslimische Generation auch in der Pflicht, die Leute darüber aufzuklären.



Was mich extrem ärgert und traurig macht, sind muslimische Männer, die versuchen, den Koran zu benutzen, um Frauen zu unterdrücken. Die Suren, mit denen sie das rechtfertigen wollen, will ich mal sehen. Gleichberechtigung ist mir schon wichtig. Man sollte sich, wann immer möglich, gegen einen solchen Missbrauch der Religion wehren. Ich werde meinen Weg gehen, und dabei werde ich mich von niemandem aufhalten lassen.