Der "Aufschrei" der wissenschaftlichen Mitarbeiter hallt seit Jahren durchs Land. Sie hangeln sich von einem Kurzzeit-Vertrag zum nächsten. Sie engagieren sich weit über den Achtstundentag hinaus, viele müssen aber von einer halben Stelle oder weniger leben. Und sie sehen nach der steinigen Qualifikationsphase zu wenig Perspektiven auf eine Karriere im Wissenschaftsbetrieb. Das treibt nicht nur die Betroffenen um, sondern auch die Politik und die Wissenschaftsorganisationen: Was tun für den wissenschaftlichen Nachwuchs? Gefordert wurde wiederholt ein großes Bundesprogramm.

Jetzt hat Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) die Rufe erhört, die sie lange ignoriert hatte.

Nach Bewährung auf die Lebenszeit-Professur

Der Bund sei bereit, sich für ein Programm für Nachwuchswissenschaftler zu engagieren, sagte Wanka am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. "Im großen Umfang" sollten zusätzliche Stellen für junge Wissenschaftler geschaffen werden, über die sie "nach einer befristeten Bewährungszeit eine Lebenszeit-Professur" bekommen könnten. Neben dieser Tenure Track-Option gehe es auch um mehr Dauerstellen unterhalb der Professur. Sie werde jetzt auf die Länder zugehen, um ein gemeinsam finanziertes Programm zu verabreden, sagte Wanka.

Die Ankündigung überrascht. Denn bislang hatte Wanka ein bundesfinanziertes Nachwuchsprogramm abgelehnt: Die Lage der wissenschaftlichen Mitarbeiter zu verbessern sei Ländersache. Mit den Bafög-Millionen, um die der Bund die Länder durch die volle Übernahme der Ausbildungsförderung entlastet, könnten sie zusätzliche Dauerstellen an den Hochschulen finanzieren. An diese Mittel erinnert sie jetzt auch im Zusammenhang mit dem neuen Programm.

Bislang schafft aber nur eine Handvoll Länder neue Beschäftigungsverhältnisse aus den Bafög-Mitteln, darunter Rheinland-Pfalz, wo 200 neue Stellen an den Hochschulen finanziert werden und jede zweite Juniorprofessur einen Tenure Track erhalten soll. Vielerorts fließt das Geld aber nur teilweise in die Hochschulen und dann eher – wie in Berlin – in Bauprogramme.

Bayern empfiehlt das eigene Tenure-Track-Modell

"Um mehr jungen Wissenschaftlern dauerhafte Karriereoptionen zu eröffnen" sei eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zu begrüßen, sagte Vera Reiß (SPD), Ministerin in Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK). Auch der Sprecher der SPD-regierten Länder, Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, hält Wankas Einlenken für einen Fortschritt. Nun könnten erstmals die Möglichkeiten der Grundgesetzänderung genutzt werden: Der Bund kann bekanntermaßen künftig im Hochschulbereich Projekte von überregionaler Bedeutung dauerhaft fördern.

Wie könnte das Programm im Einzelnen aussehen? Wanka selber konkretisierte ihren Vorschlag am Mittwoch nicht. Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) empfiehlt das bayerische Tenure Track-Modell, wie es an der TU München praktiziert wird. Es garantiert den Aufstieg vom Assistenz-Professor zur Vollprofessur, wenn die Evaluation nach sechs Jahren positiv ausfällt.