ZEIT ONLINE: Hauptberuflich sind Sie Professor, aber nicht nur bei Ihren Studenten sind sie darüber hinaus auch für eben diese Tweets bekannt. Wo fängt Ihre Person an und wo hört der Professor auf?

Porombka: Ich habe grundsätzlich ein Verständnis von Universität, das keine genauen Grenzen kennt, zwischen mir und der Institution. Aber nicht im bösen Sinne, dass die mich auffrisst, sondern eher dass sie Teil meines Lebens ist. Ich mache experimentelle Gegenwartskulturwissenschaften. Ich bin Forscher, bin aber zugleich mein Medium, ich beobachte mich selbst und beobachte andere. Von daher gibt es keine feste Grenze.

ZEIT ONLINE: Labor omnia vincit – Die Arbeit besiegt alles – haben Sie sich tätowieren lassen. Was bedeutet Arbeit für Sie? 

Porombka: Diese Tätowierung beruht auf einem Stempel, den der Ameisenforscher Auguste Forel in alle seine Bücher hat reinmachen lassen. Auch ich stemple damit meine Bücher. Und diesen Stempel habe ich mir dann auch auf den Arm machen lassen. Das Ameisenmotiv ist so wichtig, weil die Arbeit der Ameisen eine ist, wo ganz viele kleine Lebewesen kleine Stücke zusammenbauen und an etwas Größerem bauen, von dem sie nicht wissen, dass sie daran bauen. Ein emergentes Phänomen also. Das finde ich total faszinierend. Forel hat seine ganzen Bücher als kleine Ameisen verstanden, die an etwas Größerem arbeiten. So ist es ja auch mit Twitter als Kulturphänomen oder Artikeln, die Sie schreiben. Wir schreiben alle an einem großen Text und das ist die Arbeit.