Und dann das WG-Casting in der Kiffer-WG. Zum ersten Semester gehört das Chaos dazu. Vier Ex-Erstis über seltsame Kommilitonen und Happy Ends

Mit dem Honda auf der Baustelle

Am ersten Tag meiner Orientierungswoche war ich spät dran. Ich parkte den Honda Jazz meiner Eltern im absoluten Halteverbot vor einer Baustelle. Mir blieb auch keine Wahl, so viele Parkmöglichkeiten gibt es nicht mitten in Berlin, zwischen Museumsinsel und Brandenburger Tor. Ich hatte zwar einen Studienplatz, aber noch keine Wohnung. An dem Tag rief ich bei mehreren Hostels an. Alle belegt. In Berlin fand gerade eine große Jugendmesse statt. Meine erste Nacht würde ich also im Auto verbringen müssen.

Als ich abends vom Kneipengang zurückkam, konnte ich nicht mehr umparken, weil ich schon mehrere Bier intus hatte. Also legte ich mich auf die Rückbank. Bis sechs Uhr konnte ich schlafen. Dann begannen die Bauarbeiter mit ihrer Arbeit.

Weil ich auch am zweiten Tag kein Bett fand, blieb ich noch eine Nacht im Auto. Am dritten Tag sagte mir der Rezeptionist einer Herberge, dass zwar alle Zimmer weiterhin voll seien, ich aber gratis auf dem Sofa neben dem Empfang übernachten könnte. Die ganze Nacht torkelten betrunkene Jugendliche ins Hostel. Aber alles besser als die Autorückbank.

Marius Brune steht kurz vor dem Ende seines Studiums der Geschichte und Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. © privat

Zum Semesterbeginn zog ich auf die Matratze eines Freundes und fand dann endlich ein Zimmer: Altbau, Dielen, Zwischenmiete. Kurz bevor ich wieder ausziehen musste, traf ich in einer Kneipe einen älteren Geschichtsstudenten. Er erzählte von einem freien Zimmer in seiner WG. Am nächsten Abend klingelte ich an der Tür.

Außer den zwei WG-Bewohnern saßen noch zwei seiner Freunde in der Küche. Das WG-Casting war wie jedes andere, die ganze Bude war allerdings ein Marihuana-Festival. Der nächste Joint wurde mit dem vorherigen angezündet. Um nicht gleich aussortiert zu werden, rauchte und trank ich mit.

Nach einiger Zeit erwähnte jemand, dass es mich nicht stören dürfte, wenn nachts um drei der Bass anginge. Manchmal bekämen sie einfach Lust, laut Musik anzustellen. Natürlich sagte ich, dass das überhaupt kein Problem für mich sei. Und sagte sofort zu, als sie mir anboten, in der nächsten Woche einzuziehen.

Fliegenpilz11/photocase.de
Vom Ersti zum Profi

Vom Ersti zum Profi

Total verpeilter Ersti? Das muss nicht sein. Was wirklich zählt in den ersten Uni-Tagen

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8:00 Uhr

Guten Morgen!

Na, pünktlich aus dem Bett gefallen? Um acht Uhr beginnt der erste Uni-Tag. Seminar, Vorlesung, Mensa, Tutorium. Dir schwirrt jetzt schon der Kopf? Keine Sorge, das kriegen wir hin. Los geht's.

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7:55 Uhr

Kurz vor acht, gleich geht's ins Seminar. Was tust du?

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Auf keinen Fall. Dein Seminar beginnt (wie alle Veranstaltungen) erst um Viertel nach acht. Und endet auch schon um Viertel vor zehn. Hol dir noch mal einen Kaffee!

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Frühaufsteher

Moment – Montag früh in die Uni?

Du bist motiviert, schon klar. Aber überleg dir noch mal, ob du wirklich das Seminar montags um acht wählen willst. Dein Zukunftsselbst wird es dir danken.

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Richtig. Klar sind Ersti-Fahrten nicht besonders cool: Ihr fahrt in irgendeine Jugendherberge in der Pampa, schaut euch ein Museum an und trinkt abends Bier. Aber darum geht es nicht: Die zwei Nächte im Doppelstockbett schweißen zusammen – und liefern Gesprächsstoff für das ganze Semester.

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Die Erlösung kam als Anruf vom Studentenwerk: Im Wohnheim war ein Platz frei. Ich hatte eine feste Bleibe und viel wichtiger: einen Grund, der verqualmten Weddinger WG abzusagen. Gegen Ende meines ersten Semesters zog ich ins Wohnheim, hatte endlich ein Zuhause und konnte mich auf mein Studium konzentrieren. Leider konnte ich mir meine Mitbewohner nicht aussuchen und landete in einer Zweck-WG. Besser als im Honda auf der Baustelle war die aber allemal.