Der Präsident des Lehrerverbands, Josef Kraus, fordert mehr Härte bei der Notenvergabe und Anerkennung von Zeugnissen. Vermeintlich anspruchsvolle Bundesländer wie Bayern sollten Abiturzeugnisse anspruchsloser Bundesländer nicht mehr anerkennen, sagte er der Bild-Zeitung. 

Allein in Berlin habe sich die Zahl der Abiturzeugnisse mit einem Notendurchschnitt von 1,0 innerhalb von zehn Jahren vervierzehnfacht, sagte Kraus. Dies deute nicht auf eine Verbesserung der Schüler, sondern auf ein Nachlassen der Anforderungen hin.

Aus dem Abitur müsse wieder "ein Attest für Studienbefähigung und nicht für Studienberechtigung werden", sagte Kraus. Die "Inflation" bei den Schul- und Abiturnoten müsse daher ein Ende haben. Zeugnisse dürften "nicht zu ungedeckten Schecks werden".

Der Vergleich von Abiturzeugnissen ist allerdings schwierig. Denn die einzelnen Bundesländer bewerten die Leistungen der Schüler nach sehr unterschiedlichen Systemen. So fließen in die Abiturnote nicht nur die Prüfungsergebnisse ein, sondern auch die Leistungen in der Oberstufe. Noten in den Hauptfächern oder Leistungskursen werden aber in jedem Bundesland anders gewichtet. In manchen Bundesländern dürfen Schüler selbst wählen, welche Fächer nicht in die Note einfließen dürfen. Es gibt zwar inzwischen in den Bundesländern meistens ein Zentralabitur. Das führte jedoch auch nicht zu strengeren, sondern offensichtlich oft zu besseren Noten. Ab 2017 wird es für die Hauptfächer länderübergreifend einen einheitlichen Pool an Abiturfragen geben – aber auch dabei handelt es sich noch nicht um ein bundesweites Zentralabitur. Denn Schulen müssen sie nicht nutzen und Lehrer können die Ergebnisse unterschiedlich bewerten.

Wie eine Abiturnote am Ende ausfällt, hängt also von vielen Kriterien ab. Von der Qualität und Leistungsstärke der einzelnen Schulen eines Bundeslandes. Von der Art und Weise der Bewertung – fällt sie lasch aus oder schärfer, bewertet nur ein Lehrer die Leistung oder zusätzlich ein unabhängiger Gutachter? Weiterhin hat auch die Durchlässigkeit des Schulsystems Einfluss. Wie viele Schüler streben überhaupt ein Abitur an? In Bayern beuschen weniger ein Gymnasium als in Berlin oder Hamburg. Hinzu könnte es auch Unterschiede zwischen den Abiturnoten bestehen, die an einem Gymnasium oder einer Gemeinschaftsschule erzielt wurden, wie es sie etwa in Berlin und Hamburg gibt.