ZEIT ONLINE: Frau Kunst, die Universität Potsdam wurde gerade im Rahmen der Initiative "Exzellenz in der Lehre" ausgezeichnet. Welchen Stellenwert hat die Lehre an der Uni?

Sabine Kunst: Einen sehr großen. Das sieht man schon daran, wie die Lehre bei uns organisatorisch eingebunden ist. Als Präsidium betreiben wir ein systematisches Qualitätsmanagement für die Lehre und wollen so sicherstellen, dass alle dahinterstehen. Wir haben einen hauptamtlichen Vizepräsidenten für Lehre und Studium, bei dem ein Zentrum für Qualitätsentwicklung angesiedelt ist. Dieses wiederum gibt direkt Rückmeldungen an die Hochschulleitung.

ZEIT ONLINE: Und inhaltlich?

"Es ist ein Qualitätskriterium, dass neue Professoren die Lehre sehr wichtig nehmen." © Karla Fritze

Kunst: Wir setzen auf ein Konzept forschungsbasierter Lehre. Die Uni Potsdam ist eine mittelgroße Uni und hat ausgeprägte Forschungsstärken, aber wir wollen uns reine Forschungsprofessuren nicht leisten. Wenn jemand berufen wird, ist immer die Bereitschaft Bedingung, dass er oder sie Zielvereinbarungen im Bereich Lehre eingeht. Elemente innovativer Lehre zahlen sich auch im Gehalt aus.

ZEIT ONLINE: Was heißt innovative Lehre konkret?

Kunst: Beispielsweise die internationale Ausrichtung von Bachelor-Studiengängen, forschendes Lehren und Lernen, Teilhabe an forschungsorientierten Graduiertenkollegs, die Einbindung von Kongressen in Lehrveranstaltungen oder die Zusammenarbeit zwischen Fakultäten. Ein besonderes Projekt ist die Graduiertenschule für Doktoranden, in der etwa 450 unserer rund 1400 Doktoranden organisiert sind. Wer lehren will, der wird eingesetzt in der forschenden Lehre für Bachelor-Studiengänge. In Praktika erklären Doktoranden dann den Studenten zum Beispiel anhand ihrer eigenen Doktorarbeiten, wie die eine oder andere Methodik funktioniert.