Der Aufsatz löste eine Menge Ärger aus und trägt ausgerechnet den Titel "Risiken und Erfolgsfaktoren von Transaktionen". Das heißt: Wenn einer einem anderen etwas rechtmäßig überlässt. Den Beitrag in einer betriebswissenschaftlichen Fachzeitschrift verfasste ein Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Er war damit einverstanden, dass offiziell sein großer Firmenchef als Alleinautor genannt wurde.

Der wahre Verfasser wurde in einer Fußnote mit ein paar Dankesworten für die Mithilfe abgefunden. Später war der Aufsatz in einem Schriftenverzeichnis aufgeführt, mit dem der vermeintliche Autor 2007 zum ehrenamtlichen "Honorarprofessor" an der Goethe-Universität Frankfurt berufen wurde. Zuvor war er dort nebenbei "Lehrbeauftragter" ohne besonderen Titel.

Das alles stellte sich kürzlich heraus, als der Ghostwriter seine Autorenrechte vor Gericht durchsetzen wollte. Mittlerweile hat er sich selbständig gemacht und braucht auf seinen früheren Arbeitgeber keine Rücksicht mehr zu nehmen. Das Gericht stellte zwar klar, dass übliche Danksagungen in Fußnoten nicht ausreichen, um einen Helfer als Miturheber anzuerkennen.

Trotzdem blieb der Kläger glücklos: Nach rechtskräftigem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt ist eine Ghostwriter- oder Plagiats-Verabredung nicht sittenwidrig, sondern in Ordnung, wenn sie in einer Firma, im "gewerblichen" Bereich stattfindet (Aktenzeichen 11 U 51/08). Ein hauptberuflicher Manager kann genauso für sich "schreiben lassen" wie Politiker oder Prominente. Auch wenn es darum geht, streng wissenschaftliche Meriten zu erwerben.

Lange galt es auch an Universitäten als unanstößig, wenn Professoren ihre Studenten oder Doktoranden als Schreibknechte einsetzten. Doch schon seit mehreren Jahren gibt es verbindliche "Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis", die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft stammen und an allen deutschen Hochschulen gelten. Sie verlangen beispielsweise "strikte Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beiträge von Partnern". Das ist schon ein Gebot der Chancengleichheit im Wettbewerb um akademischen Glanz und Wissenschaftlerstellen. So erhielt ein Darmstädter Rechtsprofessor vor drei Jahren immerhin eine Rüge von der Hochschulleitung, weil er einen Kommentar von einem Doktoranden buchstäblich als sein eigenes Werk verkauft hatte.

Anfang dieses Monats entschloss sich nun auch die Frankfurter Unispitze, die Ernennung des besagten Dozenten zum Honorarprofessor wegen des wahrheitswidrig angemaßten Aufsatzes zu überprüfen. Der Betroffene will sich zur Frage wissenschaftlichen Fehlverhaltens gegenüber ZEIT ONLINE nicht äußern. Immerhin hat er den fraglichen Aufsatz nachträglich in seinem Schriftenverzeichnis auf der Uni-Webseite getilgt.