ZEIT ONLINE: Herr Vahrson, wie sind Sie heute früh zur Arbeit gekommen?

Wilhelm-Günther Vahrson: Mit dem Fahrrad. Wenn das Wetter es nicht zulässt, fahre ich allerdings einen VW BlueMotion.

ZEIT ONLINE: Immerhin die Ökomodell-Linie von Volkswagen. Das reicht aber noch nicht, um sich "Hochschule für Nachhaltige Entwicklung" zu nennen.

Vahrson: Nachhaltigkeit spielt an unserer Hochschule seit ihrer Gründung vor 180 Jahren eine große Rolle. Zum einen haben wir viele Studiengänge im klassisch "grünen" Bereich, etwa zu ökologischem Landbau, nachhaltigem Tourismus, Naturschutz und so weiter. Zum anderen versuchen wir, Nachhaltigkeit als Leitbild auch in anderen Studiengängen zu verankern – beispielsweise ist eine Vorlesungsreihe "Einführung in die Nachhaltigkeit" bei uns für Studenten aller Fachbereiche Pflicht.

ZEIT ONLINE: Kritiker halten den Begriff für hohl, wo sich inzwischen auch Unternehmen wie McDonald's als nachhaltig bezeichnen. Auf Ihrer Webseite lassen Sie sich ausgerechnet von einem Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport AG für die Umbenennung loben.

Vahrson: Es ist doch interessant, wenn sich sogar Fraport mit dem Begriff auseinandersetzt. Überraschend war für mich auch eine Begegnung mit einem Ex-Vorstandschef der Metro AG, der sagte, heute würde er niemanden mehr einstellen, der sich nicht mit Nachhaltigkeit beschäftigt hat. Ich sehe, dass sich viele Unternehmen auf einen Prozess einlassen. Auch Firmen mit einer aus unserer Sicht problematischen Geschäftspolitik holen sich damit etwas ins Haus, was Effekte haben wird. Es wird sicher nicht zu revolutionären Änderungen kommen, aber es ist ein Schritt. 

ZEIT ONLINE: Wie definieren Sie "Nachhaltigkeit"?

Vahrson: Ich halte mich an die Definition der sogenannten Brundtlandkommission der UN von 1987: "Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können." Das Grundprinzip ist jedenfalls, dass ökologische Ressourcen begrenzt sind und damit "Leitplanken" für jede Entwicklung bestehen. Die beliebte Rede von sogenannten Säulen der Nachhaltigkeit, wo dann Nachhaltigkeit als Dreieck definiert wird aus sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Entwicklung – die halte ich potenziell für gefährlich. Denn das bedeutet leider allzu oft, wirtschaftliches Wachstum in den Vordergrund zu stellen.

ZEIT ONLINE: Gab es Gegner der Umbenennung?

Vahrson: Ja, es gab beispielsweise viel Skepsis in den traditionell schon ökologischen Forschungsbereichen. Dort hieß es, eine Umbenennung hätten wir nicht nötig. Zum anderen gab es Bedenken, ob wir uns nicht politisch zu sehr in eine bestimmte, grüne, Ecke drängen lassen. Letztlich aber sprach sich der Senat der Hochschule ohne Gegenstimmen und mit wenigen Enthaltungen für die Umbenennung aus.

ZEIT ONLINE: Auf ihrer Internetseite bezeichnen sie sich als "grünste Hochschule".