Die Themen sind die Gleichen geblieben. "Lernst Du noch oder lebst Du schon?" steht auf dem Pappplakat, das Gymnasiastin Helene in die Berliner Mittagssonne hält. "Wir demonstrieren gegen zu große Klassen und den zu hohen Leistungsdruck an unseren Schulen", sagt ihre Freundin Tanja. Ein paar Meter weiter steht Niko, Geografiestudent im zweiten Semester. Ihn nervt nicht nur die strenge Modulisierung seines Bachelor-Studiengangs. An den Unis müsse sich vieles ändern, findet er. Darum sei er hier.

Es ist die erste bundesweite Bildungsdemonstration seit der großen Protestwelle im vergangenen Herbst. An mehr als 70 Orten gingen Schüler und Studenten am Mittwoch für bessere Bildung auf die Straße. Aber zumindest in der Hauptstadt kamen weniger Teilnehmer als beim letzten Mal . Die Polizei sprach von zwei bis dreitausend Demonstranten, offiziell angemeldet hatte man 5000 und damit offensichtlich auf mehr gehofft. Allerdings sagten die Organisatoren des Bildungsstreiks, dass es mehr als 6000 Demonstranten gewesen sein. Doch sind das immer noch nur halb so viele wie bei den früheren Demos.

"Beim letzten Mal waren es eindeutig mehr Studenten", sagt auch Niko: "Heute sind vor allem Schüler da." Vielleicht habe man die Erfolge, die seit den Bildungsstreiks im vergangenen Herbst an den Universitäten erzielt wurden, nicht richtig kommunizieren können, überlegt er: "Viele haben offenbar den Mut verloren und sind daher gar nicht gekommen. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, weiterzumachen."

2009 hatten die Organisatoren nach eigenen Angaben mehrere Hunderttausend Studenten bundesweit mobilisieren können. Dieses Mal hatten sie bereits geahnt, dass es schwierig werden würde, an diese Erfolge anzuschließen .

Die verbliebenen Demonstranten jedenfalls versuchen in der hochsommerlichen Hitze durch laute Pfiffe auf sich aufmerksam zu machen. Vom Demonstrationswagen der Linksjugend dröhnt die Michael Jackson-Hymne Beat i t herüber. Bildungsstreik -Komitee-Mitglied Paula versucht die Menge übers Mikrophon mit dem altbekannten Spruch "Bildungsklau im ganzen Land – unsere Antwort lautet Widerstand" in Stimmung zu bringen.