Die Studiengebühren in England und Wales haben es in sich. Ein Studium kostet hier bis zu 4000 Euro (3290 Pfund) pro Jahr. Nun fordern Experten eine deutliche Erhöhung der Studiengebühren. Sie beziehen sich auf ein aktuelles Gutachten , das ein Gremium um den ehemaligen BP-Chef Lord Browne im Auftrag der britischen Regierung herausgegeben hat. Die Gebührenerhöhung ist für 2012 angesetzt.

Knapp 14.000 Euro (12.000 britische Pfund) könnte das Studium in Oxford oder Cambridge dann kosten – im Jahr. Für drei Jahre Bachelorstudium müsste der Studierende demnach rund 42.000 Euro (36.000 Pfund) berappen. Andere Unis würden laut dem Bericht mindestens das Doppelte des bisherigen Betrages veranschlagen: etwa 8000 Euro im Jahr. Das ist etwa acht Mal so viel wie in Deutschland, wenn man von den meist üblichen rund 500 Euro Studiengebühren pro Semester ausgeht. Zudem soll es keine finanzielle Obergrenze mehr an britischen Universitäten geben. Jede Hochschule könnte dann selbst entscheiden, wie stark es seine Studenten zur Kasse bitten will.

Die Unis müssten dem Gutachten zufolge die Studiengebühren erhöhen, da sie nach dem neuen Modell weniger Steuergelder kassieren. Die fehlenden Steuereinnahmen sollen – so der Plan – auf die Studierenden umgewälzt werden.

Video: Robert Browne hat die Studiengebühren auf der britischen Insel unter die Lupe genommen

Ernsthafte Bedenken an dem Reformvorhaben äußerten vor allem Hochschullehrer. "Eine Erhöhung der Studiengebühren würde die Höhere Bildung im Vereinigten Königreich ernsthaft schädigen", sagte Mary Bousted vom Lehrer- und Dozentenverband. Die Studierenden würden mit hohen Schulden belastet und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen würden entmutigt, überhaupt erst zur Uni zu gehen. Auch Sally Hunt vom britischen Universitätsverband sieht Familien mit wenig Geld benachteiligt. "Manche Eltern müssen sogar entscheiden, welches ihrer Kinder sie zur Uni schicken."

Damit Schüler durch die hohen Gebühren nicht von einem Studium zurückschrecken, sollen ab 2012 neue Kreditmodelle eingeführt werden. Allerdings müssten die Studierenden dafür zusätzlich schätzungsweise 5,5 Prozent Zinsen pro Jahr zahlen. Jeder Absolvent, der später mehr als 24.000 Euro im Berufsleben verdient, muss sowohl für die entstandenen Schulden als auch die Zinsen aufkommen. Bisherige Kredite waren zinsfrei.