"Mich stört es nicht, gehasst zu werden", sagt Simon Moorcroft. Der 21-Jährige leitet die Conservative Student Union am King's College in London. 50.000 britische Studenten demonstrierten vergangene Woche gegen das Sparprogramm seiner Partei. Die konservativ-liberale Regierungskoalition will die staatliche Förderung der Hochschulen von 7,1 auf 4,2 Milliarden Pfund kürzen, ein Einschnitt von rund 40 Prozent.

Simon Moorcroft hat unzählige Diskussionen mit Altersgenossen hinter sich. Gleich steht ihm eine weitere bevor: Er verteidigt bei einer Schaudebatte an der Uni das Sparprogramm seiner Partei. Eingeladen dazu hat die King's College London Debating Society . Rund hundert Studentinnen und Studenten sitzen in einem Kellersaal des King's College und warten auf den jungen Mann im lila Pullover.

Die meisten von ihnen waren vergangene Woche bei den Demonstrationen gegen die Kürzungen dabei, so wie Jura-Studentin Tessa Botton. Die tiefsten Einschnitte erwarten Fächer wie Geschichte, Soziologie, aber auch Wirtschaft und Jura. Das Budget der Naturwissenschaften bleibt hingegen geschützt. "Damit können nur noch Reiche Musik oder Literatur studieren", sagt die 20-Jährige.

Parallel zu den Einschnitten soll die Höchstgrenze für Studiengebühren steigen, von derzeit 3290 auf bis zu 9000 Pfund im Jahr, über 10.000 Euro. Staatliche Kredite helfen dabei, die Studiengebühren und Lebenshaltungskosten zu finanzieren. Die Rückzahlung ist ans spätere Gehalt gekoppelt. Bisher gab es eine Einkommensgrenze von 15.000 Pfund jährlich, von jedem Pfund mehr musste ein Teil zur Rückzahlung der Kredite verwendet werden. Diese Grenze soll nun steigen auf 21.000 Pfund, rund 24.640 Euro. Verdient jemand 1000 Pfund mehr, wandern 9 Prozent, also 90 Pfund in die Tilgung, hinzu kommen Zinsen. Nach 30 Jahren werden verbliebene Schulden ganz gestrichen. Trotzdem bleibt die Rückzahlung der Kredite eine Last für viele Studenten.

"Ich rechne schon jetzt mit 25.000 Pfund Schulden am Ende meines Studiums", sagt Tessa Botton. Würde sie unter dem neuen Gesetz ihr Studium beginnen, summierten sich die Schulden auf 40.000 bis 50.000 Pfund. Als Anwältin mit hohem Gehalt könnte sie die Schulden tilgen. Andere, wie der Geschichtsstudent Adam Miller, aber sagen: "Ich werde niemals viel verdienen. Unter dem neuen Gesetz hätte ich mein Studium nie begonnen."

"Das Ganze verstärkt die Kluft zwischen Arm und Reich noch mehr", ärgert sich Beatrice Roskan, die am King's College Philosophie studiert. Die Koalition verspricht den Studenten, dass ihre Unis nun attraktiver werden, aber das glaubt sie nicht. Sie ist wütend und schimpft: "Schon jetzt fehlen Bücher in der Bibliothek, 25 Leute streiten sich um dieselben drei Bände, wenn sie Essays schreiben müssen." Der Druck auf die Studenten nimmt zu, aus Kommilitonen werden so Konkurrenten: "Immer häufiger werden Bücher in der Bibliothek in falschen Regalen versteckt, damit andere sie nicht finden", sagt die Studentin, auch sie hat das schon gemacht. "Wie sollen die Unis mehr Bücher kaufen, wenn die erhöhten Studiengebühren nur den Ausfall der staatlichen Gelder kompensieren?"