Was tun, wenn der Hochschulpakt unterschrieben ist, die Kassen aber leer sind? 9687 zusätzliche Studienplätze muss Schleswig-Holstein bis 2018 schaffen, so sieht es der Hochschulpakt II vor. 192 Millionen Euro kostet der Uni-Ausbau. Der Bund übernimmt die Hälfte der Kosten.

Immer noch zu teuer für unser klammes Land, ließ Schleswig-Holsteins Haushaltsstrukturkommission verlautbaren. Und schlug vor, die Hälfte der geplanten Studienplätze einfach an andere Bundesländer abzutreten. Allerdings zeigte lediglich Niedersachsen Interesse. "Schleswig-Holstein hat uns angefragt. Grundsätzlich können wir uns vorstellen, in dieser Größenordnung Studienplätze zu übernehmen", sagte ein Sprecher des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums.

Ob es tatsächlich zum Studienplatzexport kommt, ist offen. Es wäre das erste Mal, dass ein Bundesland den Braindrain in ein anderes auf diese Weise fördert. Der Vorschlag war am Dienstag in der Kabinettssitzung besprochen worden, stand aber nicht auf der Tagesordnung. Offenbar ist um die unkonventionelle Idee ein Streit innerhalb der CDU-Fraktion entbrannt. CDU-Finanzminister Rainer Wiegand will die Studienplätze loswerden, CDU-Wissenschaftsminister Jost de Jager fürchtet den Untergang des Wissenschaftsstandorts Schleswig-Holstein und eine große Blamage.

In der Tat könnte Schleswig-Holstein die zusätzlichen Studienplätze gut gebrauchen. Derzeit haben die Hochschulen nicht einmal genug Platz für die eigenen Landeskinder. Die Aussetzung der Wehrpflicht wird die Zahl der Studienanfänger noch einmal merklich erhöhen, um 1500 pro Jahr. Für 2016 erwartet das Land außerdem seinen ersten doppelten Abiturjahrgang.

Kritik an den Exportplänen war in den vergangenen Tagen aus allen Parteien gekommen. Die mitregierende FDP hatte angekündigt, sich an die Seite des Wissenschaftsministers de Jager zu stellen und im Kabinett gegen den Vorschlag zu stimmen. "Ein Export der Studienplätze in dieser Größenordnung wäre fatal und auch ein falsches Signal des Wissenschaftsstandortes Schleswig-Holstein", hieß es aus der Fraktion.

Ähnlich sieht das die SPD-Landtagsfraktion: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das beschlossen wird. Das wäre ein Armutszeugnis für die Regierung", sagte deren hochschulpolitischer Sprecher Martin Habersaat.

Auch die Hochschulen des Landes sind einer Meinung. "Auf der letzten Rektorenkonferenz haben sich die Hochschulen einstimmig für den Verbleib der Studienplätze im Land ausgesprochen. Das Land würde mit dem Verlagern der Studienplätze eine wichtige Entwicklungschance vertun", sagte Hanno Kirsch, stellvertretender Vorsitzender der Rektorenkonferenz .