Der inhaftierte regimekritische Künstler Ai Weiwei soll Gastprofessor an der Universität der Künste (UdK) in Berlin werden. Eine entsprechende Förderung habe die öffentliche Einstein Stiftung auf Antrag der Hochschule zugesagt, teilte die Berliner Bildungsverwaltung mit. Einzelheiten wollen Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), UdK-Präsident Martin Rennert und der dänische Künstler Olafur Eliasson in Kürze bekanntgeben. Eliasson, der am Institut für Raumexperimente der UdK Berlin tätig ist, ist ein Freund von Ai Weiwei und hatte mit ihm zusammengearbeitet.

Ai Weiwei war am 3. April, kurz nach Eröffnung der deutschen Ausstellung "Die Kunst der Aufklärung" in Peking, festgenommen worden. Seit seiner Inhaftierung fehlt von Weiwei jedes Lebenszeichen. Der Künstler wollte bald ein Atelier in Berlin eröffnen. Die chinesischen Behörden werfen dem weltweit erfolgreichen Künstler Wirtschaftsdelikte vor. Dagegen betrachten viele westliche Staaten das Vorgehen Chinas gegen den Regierungskritiker als Verletzung der Meinungsfreiheit. Deswegen waren auch Stimmen laut geworden, die Ausstellung im Pekinger Nationalmuseum zurückzuziehen.

Die Autorenvereinigung PEN fordert von der Bundesregierung mehr Einsatz für die Freilassung des regimekritischen Künstlers. "Wir müssen Forderungen stellen und fragen, wo Ai Weiwei ist und was man ihm genau vorwirft", sagte Herbert Wiesner, Geschäftsführer des deutschen PEN-Zentrums. Ob der internationale Druck am Ende ausreiche, um seine Freilassung zu erreichen, sei fraglich. Aber man müsse es doch wenigstens versuchen, sagte Wiesner.

Er äußerte Zweifel, ob der Kulturdialog mit China so wie bisher weitergeführt werden könne. Dies betreffe auch die Zusammenarbeit beim geplanten Chinajahr 2012. "Ich weiß nicht, ob wir mit so einem Land wirklich ein gemeinsames Kulturjahr begehen und feiern können." Man könne nicht ein ganzes Jahr gemeinsame Kultur abfeiern, wenn damit gerechnet werden müsse, dass Künstler und Autoren aus China nicht ausreisen dürften und umgekehrt ausländischen Künstlern die Einreise verweigert werde.

Ein Freund des Künstlers Ai Weiwei, der chinesische Menschenrechtsanwalt Liu Xiaoyuan und ein weiterer prominenter Jurist, Jiang Tianyong, sind unterdessen auf freien Fuß gesetzt worden. Beide kehrten inzwischen zu ihren Familien nach Peking zurück. Liu Xiaoyuan war Anfang April überraschend festgenommen worden, was international verurteilt wurde. Liu sagte, er gehe davon aus, dass seine Festnahme vergangenen Donnerstag mit seinen Kontakten zu Ai zu tun haben könnte. Der Anwalt hatte Weiwei professionelle Hilfe angeboten. Liu sagte, er sei immer noch bereit, Ai juristischen Beistand zu leisten.

Jiang war nach Angaben seiner Ehefrau zwei Monate lang verschwunden. Er habe abgenommen, sei aber guter Dinge, sagte seine Frau Jin. Mehr wolle sie zu den Umständen der Inhaftierung nicht sagen. Es sei nicht üblich, darüber zu sprechen, sagte sie.

Die chinesische Regierung geht seit Februar – offenbar aus Angst vor einem Überschwappen der Volksaufstände in vielen arabischen Ländern – hart gegen Dissidenten, Kritiker und Menschenrechtsanwälte vor.