"Niemand verlässt dieses Land (...). Das libysche Volk steht hinter uns." Das sagte Seif al-Islam al-Gadhafi, der Sohn des libyschen Machthabers, Ende Februar in einem Videointerview auf die Frage, ob sein Vater zurücktreten und den Forderungen der Rebellen nachkommen solle – und erzürnte damit auch die Studenten und Dozenten der London School of Economics (LSE). Denn hier hielten ihn Akademiker für liberal, er erwarb 2008 seinen Master of Science sowie seinen Doktorgrad an der Hochschule. Es stellte sich heraus: An die LSE sind 2009 Fördergelder aus Gadhafis Fonds geflossen.

Als Protest gegen die Zusammenarbeit mit dem Gadhafi-Regime, stürmten Studenten das Büro des Direktors, demonstrierten vor dem Eingang und besetzten den Senior Dining Room. Es folgte ein Statement der Uni , in dem die Hochschulleitung versicherte, dass in Zukunft keine weiteren Gelder aus Libyen angenommen würden und keine weiteren gemeinsamen Projekte in Planung seien. Umgerechnet 340.000 Euro von insgesamt rund 1,7 Millionen Euro, die geplant waren, sind bislang geflossen. Sie sollen nun für ein Stipendienprogramm verwendet werden, das Nordafrikanern ermöglicht, an der LSE zu studieren.

Zu guter Letzt erklärte der Direktor der LSE, Sir Howard Davies, Anfang März seinen Rücktritt. Ein Schlussstrich wie man meinen könnte. Dabei war es erst der Anfang.

Denn der Vorfall hat dazu geführt, dass die Geldbeschafftung der Universitäten in England ins Blickfeld gerieten. Mit unangenehmen Folgen: Drei weitere Unis haben enge finanzielle Verbindungen mit Libyens Regime offengelegt. Das berichtete die New York Times .

So hat laut New York Times eine Gruppe des King’s College in London in einer Studie, die mit Geld aus dem Gadhafi-Fonds finanziert wurde, die Haftbedingungen in libyschen Gefängnissen untersucht. Das Ergebnis: Die Zustände hätten sich allgemein verbessert. Die John Moores Universität in Liverpool hat Absprachen zwischen der Business School sowie der Schule für Gesundheitswissenschaften mit der libyschen Regierung zugegeben. Und die Hochschule für Orientale und Afrikanische Studien gab bekannt, dass ein kooperatives Masterprogramm mit der Al-Fateh Universität in Tripolis bestünde. Die Schule hat zudem einen exklusiven Englischkurs für Gadhafis zweiten Sohn, Mutassim, organisiert.

Nun sind außerordentliche Sprachkurse für Prominente nicht unbedingt ein untypisches Angebot. Ebenso wenig sind internationale Masterprogramme verwerflich, sondern löblich – doch hier geht es um Geld von Mitgliedern eines diktatorischen Regimes, dem Großbritannien bis vor kurzem noch Waffen lieferte. Wenig überraschend ist daher, dass das King’s College und die John Moores Universität sagen, dass alle Kontakte mit Libyen vom Außenministerium genehmigt gewesen seien.

"Ob eine Universität eine bestimmte Spende annehmen sollte, ist eine Angelegenheit der einzelnen Institution", sagte jedoch ein Sprecher des Außenministeriums auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Die Entscheidungen träfen sie eigenverantwortlich. Ob sich britische Universitäten zu stark von ausländischen Förderern abhängig machten, wollte er nicht bewerten.