Den Doktortitel hat sie ihm schon aberkannt, nun bescheinigte die Universität Bayreuth ihrem wohl bekanntesten Doktoranden vorsätzliche Täuschung. In ihrem 40-seitigen Abschlussbericht zu der Plagiatsaffäre kommt die zuständige Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft'" zu dem Schluss, dass Karl-Theodor zu Guttenberg die wissenschaftlichen Standards "grob verletzt" hat.

Wie der Kommissionsvorsitzende Stephan Rixen weiter ausführte, hat der Jura-Doktorand beim Abfassen seiner inzwischen aberkannten Doktorarbeit "die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhoben". Seine Fälschungen durchzögen die Arbeit "als werkprägendes Arbeitsmuster".

Als besonders starken Beleg für die vorsätzliche Täuschung sieht die Kommission die von Guttenberg verwendeten Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. Guttenberg habe sich immer wieder die Autorenschaft dafür "angemaßt". Dies setze bewusstes Vorgehen voraus. Dafür sprächen auch eine Vielzahl von Indizien wie etwa Umformulierungen des Originaltextes, Umstellungen der Syntax, Verwendung von Synonymen oder einzelne Auslassungen.

Der frühere Verteidigungsminister versuchte sich erneut zu rechtfertigen. Die Arbeit sei ihm "teilweise über den Kopf gewachsen", heißt es in einer Stellungnahme. Zugleich räumte er aber "gravierende Fehler" bei seiner Doktorarbeit ein.

Guttenbergs Doktorvater und dessen Zweitgutachter hatte die Universität zuvor von jedweder Mitverantwortung freigesprochen. Allerdings sei die Benotung der Dissertation mit der Bestnote "summa cum laude" nicht ausführlich genug begründet worden, hatte die Hochschulleitung bereits in der vergangenen Woche erklärt.

Überhaupt sieht Uni-Präsident Rüdiger Bormann Handlungsbedarf. Bei der Vorstellung des Abschlussberichts kündigte er an, als Konsequenz aus der Plagiatsaffäre einheitliche Qualitätsmaßstäbe für Promotionsverfahren zu erarbeiten. Dazu will sich die Hochschule auch externen Sachverstand holen.

Welche Folgen der Abschlussbericht der Bayreuther Kommission für das in Hof laufende Ermittlungsverfahren gegen Guttenberg hat, steht noch nicht fest. Allerdings hatten die Ermittler bereits vergangenen Monat erklärt, dass der Bericht zwar in das wegen Vorwurfs der Urheberrechtsverletzung eingeleitete Verfahren einfließen werde. Die Plagiatsvorwürfe müssten aber dennoch im Einzelnen geprüft werden. Mit einem Abschluss ist erst im Herbst zu rechnen.

Zwei Tage vor dem Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg erhielt auch eine andere Hochschule Hinweise auf Plagiate in einer Doktorarbeit. Diese Hochschule ist die Universität Konstanz, die nun reagierte – und der Tochter des langjährigen CSU-Chefs Edmund Stoiber, Veronica Saß, ihren Titel aberkannte. Auch die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin könnte bald ohne den Namenszusatz dastehen: Nach Informationen des Tagesspiegel will die Universität Heidelberg entsprechende Konsequenzen ziehen.

In einer ersten Fassung dieser Meldung hieß es, aus Sicht der Kontrollkommission der Universität habe die Hochschule "ihre Aufsichtspflicht grob vernachlässigt". Dieses Zitat ist so nicht gefallen, die Nachrichtenagentur dpa hat ihre Meldung korrigiert.