Der Medieninformatiker Markus Hertlein ist geschockt. Nach seinem Vortrag auf der Cebit 2010 über Smartcard-Sicherheit wird er von einer Firma angesprochen: Der Konzern habe sich überlegt, dass man gerne Datensicherheit einführen wolle. "Es war ein riesiges Unternehmen, das jeder kennt. Ich konnte kaum fassen, dass die sensiblen Daten noch nicht geschützt waren." In seiner Berufswahl hat ihn das Erlebnis bestärkt: Hertlein ist heute einer von fünf Studierenden, die sich entschieden haben, an der FH Gelsenkirchen den Master-Studiengang Internet-Sicherheit zu absolvieren.

Annähernd 70 Prozent der Deutschen sind nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) online und wickeln dort einen Großteil der privaten und geschäftlichen Interaktionen ab. Wie allerdings aus einem Bericht des BSI von Ende 2010 hervorgeht, "bewegt sich die Gefährdungslage der IT-Sicherheit in Deutschland auf einem erhöhten Niveau".

Allein der Computersicherheitssoftware-Hersteller McAfee hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 20 Millionen neue Schadsoftware-Varianten verzeichnet, 46 Prozent mehr als 2009. Und jüngst sorgten ein Wurm bei Facebook, der mit Bildern des tödlichen Angriffs auf Osama bin Laden lockte, sowie ein umfassender Datenklau beim Elektronikkonzern Sony für Aufregung.

Cyberangriffe richten sich bei Weitem nicht nur gegen Privatnutzer. Fälle wie Stuxnet haben gezeigt: Auch die Industrie wird ins Visier genommen. Der Wurm drang in einen iranischen Atomreaktor ein und soll den Betriebsstart verzögert haben. "Aufgrund solcher Internet-Waffen gibt es eine völlig neue Bedrohungslage, den Cyber-War. Große Gefechte werden heutzutage auch im Netz geführt", sagt Norbert Pohlmann, Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen. Unternehmen seien nur ungenügend darauf vorbereitet. Damit sich das ändert, bietet Pohlmann seit Kurzem den deutschlandweit ersten FH-Master im Viren-Jagen an; bis zu 20 Studenten werden pro Semester aufgenommen.

Wichtigste Voraussetzung dafür ist ein Bachelor in Informatik oder ein Studium mit Schwerpunkt Informatik – und die damit einhergehenden Sprachkenntnisse. "Das Informatiker-Englisch ist unumgänglich. Denn gute Bücher und Seiten im Netz sind meistens auf Englisch", sagt Hertleins Kommilitone Jörg Vehlow. Angst vor Fachbegriffen sei dennoch unnötig: "Da wächst man rein." Was er Interessierten empfiehlt, sind Vorkenntnisse im Programmieren, auf den Gebieten der Verschlüsselung und Sicherheitskonzepte.

Neben den Grundlagen wie Höhere Mathematik oder Theoretische Informatik werden im Master fächerübergreifende Vertiefungen angeboten. "Eine besonders interessante Veranstaltung im ersten Semester ist "Datenschutz und Ethik". Hier erklärt ein Rechtsanwalt im Detail, wie die Gesetzesgrundlage aussieht", sagt Vehlow. Schnell gehe in Fleisch und Blut über, wie mit Daten umgegangen werden dürfe.