Wer abschreibt, gehört bestraft. Die Universitäten müssen den Titel aberkennen, wenn ein Plagiat vorliegt. Insofern waren die Entscheidungen über Koch-Mehrin et. al. richtig. Dennoch müssen sich die Hochschulen den Vorwurf gefallen lassen, die eigenen Versäumnisse auf Kosten prominenter Politiker zu kaschieren. Denn keine der Unis – weder Bonn, noch Heidelberg oder Bayreuth – hat es bislang für nötig befunden, eine Mitschuld einzugestehen. Dabei ist diese in allen drei Fällen offensichtlich.

Dem Promovenden Chatzimarkakis hat zwar kein Professor erlaubt, auf Anführungszeichen zu verzichten. Mit ein bisschen mehr Sorgfalt jedoch hätte seinen Professoren auffallen müssen, dass die Dissertation ein Patchwork anderer wissenschaftlicher Werke ist. Ebenso unverständlich ist es, dass ein Doktorvater seinem Schützling sieben Jahre gewährt, um seine Arbeit zu beenden – wie im Fall zu Guttenberg oder Althusmann geschehen.

Schon vor vier Jahren hatte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) , Matthias Kleiner, die Qualität der deutschen Doktorandenausbildung beklagt, allen voran die mangelhafte Betreuung und den geringen Erkenntnisgewinn vieler Dissertationen. Nicht selten würden nur "erschreckend dünne" Bretter gebohrt . Vergangene Woche hat der Ombudsmann der DFG, Wolfgang Löwer, die Kritik in der ZEIT wiederholt . Auch er sieht "offenkundige Mängel bei der Auswahl, der Betreuung und der Benotung der Doktoranden". Er wundere sich, mit welchen Arbeiten man an einer deutschen Universität promovieren könne, sagte er. 

Im deutschen Promotionswesen liegt vieles im Argen

In den vergangenen Jahren ist zwar einiges passiert. Die Reaktionen auf die aktuellen Fälle zeigen jedoch, dass im deutschen Promotionswesen noch vieles im Argen liegt. So kann keinesfalls die Rede davon sein, dass alle Universitäten und Disziplinen einheitliche und verbindliche Zitierregeln teilen. Dass viele Universitäten, wissenschaftliches Fehlverhalten immer noch als minder wichtiges Problem betrachten, belegt auch die geringe Bekanntheit der zuständigen Ombudsleute an den Hochschulen. Man versuche nur einmal den jeweiligen Verantwortlichen auf der Homepage einer Universität zu finden. Über zu viel Arbeit können die Ombudsleute und zuständigen Kommissionen  nicht klagen. Dabei geht der Ober-Ombudsmann Löwer von einer "hohen Dunkelziffer" wissenschaftlichen Fehlverhaltens aus.

Sollte Bernd Althusmann seinen Titel verlieren, wäre er als niedersächsischer Kultusminister nicht mehr zu halten – als Präsident der Kultusministerkonferenz schon gar nicht. Noch steht Ministerpräsident David McAllister hinter ihm. Althusmann ist ein enger Vertrauter des Regierungschefs. Beide hatten sich in früheren Zeiten einmal ein Büro im Landtag geteilt. Zudem galt Althusmann, dessen Fleiß und Expertise auch von der Opposition anerkannt wird, in der Landes-CDU bis vor kurzem noch als Hoffnungsträger.

Für den CDU-Politiker selbst wäre der Rücktritt besonders schmerzlich. Er hatte in dieser Legislaturperiode sein Abgeordnetenmandat mit dem Posten des Staatssekretärs im Kultusressort getauscht und war im April 2010 zum Minister aufgestiegen. Er stünde blank da: ohne Amt, ohne Mandat und ohne Titel.

*Anm. d. Redaktion: Zunächst hieß es, dass über die Prüfung von Althusmanns Doktorarbeit bereits am Freitag, den 22. Juli, entschieden wird. Dieser Termin hat sich verschoben.