ZEIT ONLINE: Ein neues Gutachten besagt, dass die Praxis, den Zustrom ausländischer Studenten an Schweizer Hochschulen zu begrenzen, rechtens ist. Die Universität St. Gallen hat eine Quote von 25 Prozent festgelegt. Die Universität Zürich verzichtet auf solch eine Maßnahme. Warum?

Sylvia Laeng: Für die Uni Zürich sind ausländische Studenten ein Qualitätsmerkmal. Ohne sie wäre eine internationale Universität nicht möglich. Studenten aus dem Ausland zeichnen eine Hochschule genauso aus wie internationale Forschungsprojekte und -programme. Wir nehmen Zugezogene nicht als Problem wahr, sondern als Bereicherung.

ZEIT ONLINE: Dennoch wird die Universität Zürich zum Wintersemester 2012 ihre Studiengebühren für Ausländer deutlich anheben – von 740 Franken (667 Euro) auf über 1140 Franken (1028 Euro) pro Semester. Die Gebühren für Schweizer bleiben gleich, bei derzeit 640 Franken (577 Euro). Wie ist das zu verstehen? Wollen Sie vorsorglich abschrecken?

Laeng: Wir passen die Studiengebühren an die der Fachhochschulen an. Mit Abschreckung ausländischer Studienbewerber hat das nichts zu tun.

ZEIT ONLINE: Dennoch trifft die Erhöhung nur die Ausländer.

Laeng: Das ist ein Beitrag zu den Kosten eines Studiums, die ja ohnehin erheblich höher sind. In der Schweiz gibt es Ausgleichszahlungen zwischen Kantonen, wenn Studenten aus dem einen Kanton in einen anderen zum Studium gehen. Kommen Studenten aus dem Ausland, gibt es solche Zahlungen ja nicht.

ZEIT ONLINE: Einige Nachrichten aus der Schweiz klingen, als würde das Land von Studenten aus Deutschland regelrecht überrannt. Und dann auch noch von den eher schlechten. Was ist da dran?

Laeng: Von den 26.000 Studenten der Uni Zürich kamen im vergangenen Wintersemester etwa sieben Prozent aus Deutschland. Sie machen die größte Gruppe unter den Ausländern aus, gefolgt von Italienern und Österreichern. Der Ausländeranteil an der Uni Zürich hat insgesamt leicht zugenommen, er liegt bei etwa 17 Prozent. Man kann aber überhaupt nicht sagen, dass er explodiert sei. Zwar verzeichnet die Zulassungsstelle derzeit einen Anstieg von Bewerbungen aus dem Ausland, aber das ist alles im Rahmen. Es stimmt auch nicht, dass die schlechten Studenten in die Schweiz gehen, die in Deutschland keinen Studienplatz bekommen haben. An vielen Schweizer Hochschulen ist es Zulassungsbedingung, die Zusage zu einem Studienplatz in Deutschland vorweisen zu können.

ZEIT ONLINE: Jede Schweizer Uni kann es nun mit Quote und Gebühren halten, wie sie will. Ziemlich unübersichtlich für Bewerber aus dem Ausland.

Laeng: Im Sinne der Autonomie der Hochschulen begrüßen wir diese Freiheit. Andererseits würden wir es schätzen, wenn alle Schweizer Hochschulen mit dem Thema ähnlich umgehen würden.