Über 50.000 Bewerber auf knapp 8.500 Bachelor- und Masterplätze – etwa zwanzig Prozent mehr Bewerber als noch vor einem Jahr – verzeichnet dieser Tage die Uni Hamburg. Was imposant klingt, kann Axel Schöler, Referatsleiter des Service für Studierende nicht erschüttern. "Wir können die ganze Aufregung um den angeblichen Studentenansturm nicht so ganz verstehen. Es ist zumindest nicht so, dass unsere Verwaltung unter den Bewerbern zusammenklappen würde", sagt Schöler, der schon seit 25 Jahren in der Zulassungsstelle arbeitet.

Tatsächlich: Verzweifelte Mitarbeiter, die Haare raufend in Papierbergen sitzen, sind in der Zulassungsstelle der Universität nicht in Sicht. Still ist es auf den Fluren. Fünf Sachbearbeiterinnen, nicht mehr als sonst auch, bearbeiten die eingehenden Bewerbungen.

Zum Wintersemester 2007/2008 hat die Universität Hamburg auf die Online-Bewerbung mit dem System CampusNet umgestellt. "Früher waren wir natürlich viel damit beschäftigt, Akten zu sortieren und Formulare auszufüllen", sagt Kathrin Heise, Teamleiterin Bewerbung und Zulassung. Seit 1987 arbeitet Heise in der Zulassungsstelle, lange bevor das Internet zum Arbeitsalltag gehörte. "Sollte der Computer ausfallen, kann ich zur Not die Bewerber auch wie früher mit Hilfe von Karteikarten in eine Rangfolge bringen", sagt sie und lacht. "Aber das wird wohl nicht nötig werden." Was früher mehrere Wochen Fleißarbeit erzeugte, erledigt heute weitgehend der Computer.

Ein bundesweites Zulassungssystem funktioniert bis heute nicht

Vor zwei Jahren einigte sich die Uni Hamburg mit weiteren Hochschulen auf einen gemeinsamen Termin Mitte August für das Verschicken der Zulassungsbescheide. 47 Universitäten beteiligen sich mittlerweile. Studienbewerber wie Hochschulen sollen so möglichst schnell Gewissheit haben. Weil durch das Internet die Bewerbung um einen Studienplatz so einfach geworden ist, sie dauert meist keine zehn Minuten, schicken Studienanfänger oft etliche Bewerbungen los, um ganz sicher zu sein, auch einen Platz zu bekommen. Oftmals sagen sie dann vorsorglich nach und nach an mehreren Unis zu bis die Wunsch-Uni dabei ist. Den Hochschulen erschwert das die Planung, in der Vergangenheit blieben so viele Studienplätze unbesetzt. Abhilfe schaffen sollte längst ein neues bundesweites Zulassungssystem, das aber bis heute nicht funktioniert .

"Bei uns bekommen Bewerber mittlerweile sogar eine Vorabzulassung, wenn sie die Zulassungsbedingungen erfüllen", sagt Schöler. "So hängen sie nicht so lange in der Luft. Wer von außerhalb kommt, muss sich ja beispielsweise auch um eine Unterkunft kümmern. Außerdem wollen wir unsere Studenten so schon früh an die Uni binden."

Und wie nun sucht die Uni Hamburg ihre Studenten aus? "Mittlerweile werden 90 Prozent der Bachelor-Plätze nach der Abiturnote verteilt, 10 Prozent nach Wartesemestern", erklärt Schöler. "Plätze in Human- und Zahnmedizin werden weiterhin über den ZVS-Nachfolger Hochschulstart vergeben. Weitere Prüfungen, Eignungstests oder Sprachnachweise müssen nur in Sport und Sprachen erbracht werden." Beim Master sei alles wiederum ein wenig anders. "Da bestimmen die einzelnen Fakultäten ihre Auswahlkriterien weitgehend selbst. Da werden zum Beispiel Motivationsschreiben verlangt."