Was die meisten Bundesländer gerade erleben, kommt auf Nordrhein-Westfalen und Hessen erst noch zu. Dort verlassen 2013 die doppelten Abiturjahrgänge die Schulen. Viele der Abiturienten werden ein Studium aufnehmen, über die genauen Zahlen gibt es lediglich Prognosen. Die Kultusministerkonferenz geht von insgesamt 275.000 zusätzlichen Studienanfängern bis 2015 aus, davon 90.000 in NRW und 22.000 in Hessen.

Für den Ausbau der Unis stehen Hessen für die kommenden Jahre rund 560 Millionen Euro aus dem Hochschulpakt II zur Verfügung, in NRW 1,8 Milliarden Euro. Das Geld fließt in den Ausbau von Lehrgebäuden, Wohnheimen, Mensen, Bibliotheken und Laboren und in Personal für Lehre und Betreuung. Hinzu kommen etliche landeseigene Programme und Gelder, die den Ausfall der Studiengebühren ausgleichen sollen. In Hessen sind das 92 Millionen Euro pro Jahr, in NRW 249 Millionen Euro. Dieses Geld ist wiederum zur Verbesserung der Lehre vorgesehen.

Fühlen sich die Hochschulen gut gewappnet?

Die Universität Köln ist mit etwa 45.000 Studenten eine der größten Hochschulen Deutschlands, ihre höchste Zahl an Einschreibungen erwartet sie für 2013. "Wie viele Studenten tatsächlich kommen werden, wissen wir natürlich nicht genau. Aber wir haben einen Masterplan", sagt Sprecherin Merle Hettesheimer. Die Hochschule will mehr Personal einstellen und neue Räume anmieten. Schon im vergangenen Jahr hatte die Uni ein zusätzliches Gebäude mit Seminarräumen gebaut, denn wegen der doppelten Abiturjahrgänge in anderen Bundesländern ist die Zahl der Studienanfänger bereits zu diesem Wintersemester von 5.300 auf 6.500 gestiegen.

Während die Uni Köln einige der zuvor zulassungsbeschränkten Bachelor-Studiengänge wie Chemie, Physik, Mathematik oder Vergleichende Sprach- und Kulturwissenschaften wieder geöffnet hat, führen viele Hochschulen in immer mehr Fächern einen Numerus Clausus ein, etwa die Universität Kassel . Dort habe die Zahl der Zulassungsbeschränkungen in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen, sagt Uni-Sprecher Guido Rijkhoek. Zum kommenden Wintersemester steige sie von 38 auf 42. Laut Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz ist derzeit etwa die Hälfte der grundständigen Studiengänge in Deutschland zulassungsbeschränkt.

Die Uni Münster bereitet sich schon seit drei Jahren auf den Studentenansturm vor. Dort rechnet man mit etwa 3.300 zusätzlich benötigten Studienplätzen bis 2016. "Wir erhöhen die Zahl der Studienplätze, stellen zusätzliche Bücher und Lehrmaterialien zur Verfügung", sagt Sprecher Peter Wichmann. Schon jetzt habe man einen Hörsaal im Schloss mit 300 Plätzen saniert, der vorher ungenutzt war. Durch Umzüge und Verlagerungen soll zusätzlich Platz geschaffen werden. Wenn es nötig wird, werde die Uni weitere Räume anmieten. "Der Ausbau wird ein Kraftakt, aber wir sind entspannt. Wir denken zum Beispiel nicht, dass wir Seminare in Zelten abhalten müssen, wie wir es in den 1990er Jahren erlebt haben."