Der dunkle Dielenboden knarzt dezent, wenn Florian Kainz von einem auf das andere Bein wippt. In der Hochschule für angewandtes Management in Erding informiert der Vizepräsident 40 Abiturienten persönlich über das Wirtschaftsstudium. Der sanierte Altbau ist modern ausgestattet, die private Fachhochschule wirkt wie eine groß geratene Arztpraxis. In Kleingruppen beantworten die Professoren geduldig Fragen ihrer potenziellen Studenten, anschließend tauscht man sich entspannt bei belegten Brötchen und kalten Getränken aus.

Manfred Schwaiger wird wohl nie mit seinen Erstsemestern Schnittchen essen. Denn ab Herbst wird es eng an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, besonders für BWL-Studenten. "Ich erwarte katastrophale Zustände", sagt Schwaiger, Studiendekan des Fachbereichs. Zwar hat die LMU die BWL-Studienplätze zum Wintersemester von 600 auf 800 ausgebaut, doch dem Ansturm der 6.000 Bewerber wird das nicht gerecht. Außerdem hätten schon im vergangenen Jahr viele Studenten in den überfüllten Vorlesungen auf den Gängen sitzen müssen, sagt Schwaiger.

Die FH Erding freut sich über die vielen Studienanfänger: Florian Kainz hat zehn neue Dozenten eingestellt und Räume in der Erdinger Stadthalle angemietet. Die Hochschule im Münchner Umland rechnet mit jenen Erstsemestern, die den Numerus Clausus von 1,7 in BWL an der LMU nicht geknackt haben. "Allein die Voranmeldungen sind im Vergleich zum Vorjahr um 65 Prozent gestiegen", sagt Kainz. In diesen Tagen verschicken die staatlichen Universitäten ihre Zulassungen. Die FH Erding hat, wie viele private Hochschulen, die Bewerbungsfristen dieses Jahr auf Anfang September verlegt, damit sich abgewiesene Bewerber noch einschreiben können.

Mit einer halben Million Bewerber drängen in diesem Herbst so viele Erstsemester wie noch nie an Deutschlands Hochschulen. Die Politik hatte in ihren Planungen bisher mit maximal 455.000 gerechnet. Doppelte Abiturjahrgänge, Aussetzung der Wehrpflicht, die geburtenstarken Jahrgänge der neunziger Jahre – und ein Gewinner: Im allgemeinen Chaos etablieren sich durch die Hintertür die Privaten in Deutschlands Hochschullandschaft. Der Anteil der Studenten an Privatuniversitäten hat sich laut Statistischem Bundesamt in den vergangenen zehn Jahren bundesweit verdreifacht. Eine Entwicklung nicht ohne Tücken: Kostet ein BA-Studium an der LMU etwa 3.500 Euro, verlangen private Hochschulen mitunter das Fünffache.

Auch die Abiturientin Marie Merth versucht auszuweichen: Sie hat sich erst gar nicht an einer staatlichen Hochschule beworben. Die Angst mancher Klassenkameraden vor überfüllten Massenstudiengängen ist für sie nun kein Thema mehr. "Hier an der FH ist die Betreuung einfach besser", sagt sie. Die Gebühren von rund 15.000 Euro bezahlt ihr Vater. Korbinian Mayer hat sich ebenfalls für eine private Hochschule entschieden: Trotz einer Zusage von der Uni Würzburg will er an der FH Erding studieren. "Hier habe ich die Möglichkeit, richtig zu studieren", sagt er. Richtig heißt: ohne Gedränge.

Private Hochschulen können flexibler auf den Bewerberansturm reagieren: Ab Herbst bietet beispielsweise die Hochschule Fresenius 84 Plätze im Studiengang Wirtschaftspsychologie an, im Sommersemester 2011 waren es noch 42. Lehrpersonal können private Unis einfacher einstellen als staatliche. "Weil die Nachfrage steigt, wird auch das Angebot stetig erhöht", sagt Piret Lees vom Verband der Privaten Hochschulen. "Wir profitieren alle von der hohen Zahl der Bewerber", so Lees. "Viele unserer Hochschulen hätten in diesem Jahr gerne noch mehr Bewerber aufgenommen", bedauert die Sprecherin.