In nachweislich 61 Fällen hat Promotionsvermittler Martin D. einen Professor bestochen, damit dieser Rechtsanwälte und andere Juristen auf dem Weg zum "Dr." vor dem Namen betreute. Beide Helfer mussten deswegen ins Gefängnis. Der Promotionsvermittler wurde 2009 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, ist aber inzwischen auf Bewährung frei. Da trifft ihn jetzt ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln , wonach er wegen der Vorstrafe seinen eigenen Doktor von 1980 verlieren soll.

Damals war er mit Bestnote und einem Förderpreis der Uni ausgezeichnet worden. Auch heute zweifelt niemand, dass mit dieser Promotion alles in Ordnung war. Anders als etwa im Falle Guttenberg geht es nicht um einen Täuschungsversuch, durch den die Prüfung hinfällig wird. Allerdings erlaubt die heutige Promotionsordnung der Philosophischen Fakultät in Bonn, den akademischen Grad wegen einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr zu entziehen. Gegen seine Degradierung kann D. jetzt noch in Berufung gehen.

Ähnliche Regelungen, die an Straftaten anknüpfen, gelten etwa an der Uni Köln und anderen Hochschulen, zumal in Nordrhein-Westfalen. Dabei geht der entehrende Titelentzug auf das "Gesetz über die Führung akademischer Grade" von 1939 zurück, also auf die Nazizeit. Demnach kann jede Uni den Doktor entziehen, "wenn sich der Inhaber durch sein späteres Verhalten der Führung eines akademischen Grades unwürdig erwiesen hat ."

Bagatelldelikte sind nicht relevant

Auch wenn Würde heute im Sinne der allgemeinen Menschenwürde des Grundgesetzes zu verstehen ist, bleibt der Rechtsbegriff unbestimmt. "Deshalb soll die Anknüpfung an eine Straftat die Unwürdigkeit präzisieren", erläutert der renommierte Hochschulrechtler Hans-Wolfgang Waldeyer. Bagatelldelikte etwa im Straßenverkehr oder vor dem Finanzamt bleiben wegen der Untergrenze von einem Jahr Gefängnis außer Betracht. Diese Schwelle gilt etwa auch für die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis.

Einen anderen Weg gehen die Hochschulgesetze von Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und den meisten neuen Bundesländern. Sie folgen dem unbestimmten Würde-Begriff. Indes haben die Gerichte, jüngst noch der Baden-Württembergische Staatsgerichtshof, klargestellt, dass die Würde im Hochschulrecht eng "wissenschaftsbezogen" zu verstehen ist. Dabei ist Strafbarkeit keine Voraussetzung für den Titelentzug. Es geht sozusagen allein um die Clubmitgliedschaft, den Ausschluss von Doktoren, die durch ihr Fehlverhalten sonst die ganze Community nach außen lächerlich machen. Im konkreten Fall handelte es sich um einen Physiker, der nach einer sauberen Promotion mit Datenmanipulationen in Serie aufgefallen war . Sein Wissenschaftsbetrug war kein echtes Betrugsdelikt, weil niemand einen finanziellen Schaden davon hatte oder geltend machte.