"Unter den Talaren Muff von 1.000 Jahren." So reimten 1967 linke Studenten, um gegen das verkrustete Hochschulsystem zu protestieren. Auch als Reaktion auf die Studentenbewegung gründete das SPD-geführte Bremen 1971 eine betont demokratische "Reformuniversität". Zurzeit feiert die Uni Bremen ihren 40. Geburtstag, etwa mit einem Empfang beim Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) im historischen Rathaus. Und wer begrüßte vor der Tür die Honoratioren mit Tröten und Transparenten? Eine Schar von 30 Friedensbewegten und Studenten mit dem Demonstrations-Motto: "Unter den Talaren: Muff von 40 Jahren!"

Der Hochschulleitung werfen sie vor, sie betreibe einen "Ausverkauf der Universität" an die Interessen der Wirtschaft, darunter sogar ein Rüstungslieferant . Und das an einer Hochschule, die einst als antikapitalistische "Rote Kaderschmiede" galt.

Die DFG nahm die Uni erst 1986 auf

Die Betonburg am Stadtrand mit zunächst nur 420 Studierenden wollte dem akademischen Muff eine "Wissenschaft im Dienste des Volkes" entgegensetzen. Die damals noch mitregierende FDP sah schon frühzeitig Verfassungsfeinde am Werk und verließ noch vor der Uni-Eröffnung ihre Koalition mit der SPD. In der Tat wurde in den Anfangsjahren manchmal mehr über den wahren Weg zur Revolution debattiert als gründlich geforscht. Unionsregierte Bundesländer verweigerten die Anerkennung des Bremer Lehrerexamens, und selbst SPD-geführte Länder stiegen schließlich aus der Finanzierung aus. Besonders hart traf die junge Uni, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sie zunächst nicht in ihre Reihen aufnahm und folglich nicht mit Drittmitteln förderte.

Aber bald kam die Wende. Auf Druck der SPD-Landesregierung wurden neue Professuren mit gemäßigteren Kandidaten besetzt. Die heiß umkämpfte Drittelparität, also die gleichberechtigte Mitbestimmung von Lehrenden, Lernenden und Hauspersonal, wurde nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts abgeschafft. Auf Betreiben des langjährigen Wissenschaftssenators Horst-Werner Franke (SPD) und des seit 1982 amtierenden Rektors Jürgen Timm, öffnete sich die Uni schließlich auch für die Belange der Wirtschaft. So mutierte der Stachel im Fleisch des Hochschulwesens allmählich zu einer halbwegs normalen Massenuniversität mit heute über 18.000 Studierenden. 1986 wurden die Bremer dann auch in die DFG aufgenommen. Sie finanziert an der Uni inzwischen sechs Sonderforschungsbereiche.

Bei der Einwerbung von Drittmitteln steht die Uni Jahr für Jahr bundesweit auf einem der obersten Rangplätze. Der einstige DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker sprach schon von einem "Wunder an der Weser". Man könnte auch von einem Leuchtturm sprechen. Bremen gehört heute in einigen Forschungsgebieten zur internationalen Spitzenklasse, zum Beispiel in der Geowissenschaft, der Raumfahrt oder der Hirnforschung. 2006 war sie die einzige norddeutsche Hochschule, die immerhin fast zu einer der zehn deutschen Elite-Hochschulen ernannt worden wäre.