Ungewohnt sei er schon, der Anblick. Aber eigentlich gefällt sich Caroline doch ganz gut. Auf dem Bildschirm wirke sie "fast wie in echt", befindet sie selbstkritisch. Caroline ist 17 Jahre alt. Im nächsten Jahr macht sie ihr Abitur in Nürnberg. Heute absolviert sie ein Moderationstraining bei den Medientagen in München . Es geht ganz schnell, ein paar Worte in das Mikrofon sprechen, den Blick in die Kamera richten und das Lächeln nicht vergessen. Ein paar Minuten später läuft das Ergebnis über einen kleinen Bildschirm während schon der nächste Anwärter vor der Kamera steht. Caroline sieht sich gerade da, wo sie sich auch in ein paar Jahren gerne sehen würde – im Fernsehen. Es ist ihr Traum vor der Kamera zu stehen, Spitzenpolitiker zu interviewen und natürlich: die Stars zu treffen. Der Plan steht soweit. Nur: Wie sie da eigentlich hinkommen soll, darauf hat Caroline noch keine passende Antwort gefunden.

Vielen Abiturienten geht es heute so wie der Schülerin – ein Job in der Medienbranche ist begehrt. Immer noch verheißungsvoll ist das Ende der 1990er Jahre geprägte Bild vom Schreibtisch im Nachtleben. Es ist immer viel los, man trifft wichtige Menschen und wird hoffentlich auch bald selbst so einer. Wege in den Medienberuf gibt es theoretisch viele. Ein gegenwärtig besonders beliebter führt über ein Medien-thematisches Studium: Kommunikationswissenschaft, Journalistik, Medienwissenschaft. Studienfächer, die noch vor einigen Jahren lediglich aus Mangel an Alternativen im Nebenfach dazu gewählt wurden, sind heute oftmals überlaufen.

Über 300 Studiengänge mit Medienbezug

Deutschlandweit gibt es weit über 300 wissenschaftliche Studiengänge mit Medienbezug. Michaela Petek von der Universität Eichstädt bestätigt, dass es für den Studiengang Journalistik beinahe sechsfach so viele Bewerber wie Studienplätze gibt. An der Universität Bayreuth wurde für den neu eingeführten Bachelorstudiengang "Medienpraxis und Medienwissenschaft" ein Eignungsfeststellungsverfahren etabliert. Man will sich die passenden Studenten aussuchen. Die Nachfrage ist da. Doch wie sinnvoll erscheint ein theoretisches Studium für einen praktischen Beruf ?

Tatsächlich ist das viel zitierte Berufstands-Credo "Irgendwas mit Medien" zum Sinnbild eines schwer zu differenzierenden Arbeitsfeldes geworden. Denn was genau sie eigentlich mit Medien machen möchten, ist vielen Studienanfängern gar nicht wirklich klar. Journalistisch arbeiten, hinter der Kamera stehen oder doch etwas Kaufmännisches? Viele flüchten sich vor den vielfältigen und kaum durchschaubaren Möglichkeiten in ein klanglich allumfassendes Studium. Und verrennen sich. "Meine Schwester hat Kommunikationswissenschaften studiert", berichtet Caroline. "Sie hat es nach drei Semestern abgebrochen. Sie hat nichts darüber gelernt, wie man einen Zeitungstext schreibt."

Journalistik ist kein Journalismus und in der Medienwissenschaft wird man nicht zum Redakteur ausgebildet. Studienanwärter sollten sich also eingehend darüber informieren, was auf sie zukommt. Was beinhaltet das Studium und wie kann ich das vermittelte Wissen praktisch nutzen – das sind die Kernfragen, die sich angehende Studenten stellen müssen.

 Viele haben völlig falsche Vorstellungen vom Einstieg in die Medienbranche

Christina Metallinos kennt das Problem. Auf den Medientagen präsentiert sie mit der Jungen Presse Bayern das alljährliche Orientierungsprogramm "Haltestelle: Medienberuf". Interessierte Schüler und Studenten sind eingeladen, sich einen Überblick über das Berufsfeld in den Medien zu verschaffen. Aufklärung sei der zentrale Punkt, sagt Metallinos, 21 Jahre alt und selbst schon als freie Journalistin neben dem Studium aktiv. Schon der Titel der Veranstaltungsreihe impliziert, dass eine Karriere in den Medien nicht unbedingt linear verlaufen muss. Sie bietet viele Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten.

Orientierung ist deshalb umso wichtiger. Auch Christina Metallinos kennt viele Kommunikationswissenschaftsstudenten, die sich dann ihren Traumjob in der Medienbranche erhoffen. "Doch journalistische Theorie alleine bringt's nicht, man muss immer das Handwerkszeug lernen, um später einen Job zu bekommen", sagt sie. Zwar bieten immer mehr Studiengänge auch eine praktische Ausrichtung mit Workshops und Praktika an. Doch sind diese längst keine Einstiegsgarantie in die Medienbranche. Für Christina Metallinos ist die Empfehlung klar: "Ich persönlich empfehle jedem ein Interessen-gerichtetes Studium. Die Praxiserfahrung sollte man sich nebenbei holen. Etwa durch Praktika oder freie Mitarbeit bei der Lokalpresse."

Ohne eigenes Interesse geht es sowieso nicht

Auf die Frage nach einem sinnvollen Einstieg in die Medienbranche gibt es letztlich ebenso viele Antworten wie es persönliche Erfahrungen gibt. Gute, wie schlechte. Dennoch scheint sich die mehrheitliche Meinung durchzusetzen, dass ein erstes Studium durchaus sinnvoll ist, solange es aus Interesse gewählt wurde und ein spezifisches Fachwissen vermittelt.

Nach ihrem ersten Moderationstraining hat sich Caroline übrigens für ein Studium der Politikwissenschaft entschlossen. Was so fern klingt, ist dann doch so nah. "Ich habe gemerkt, dass ich ein Talent vor der Kamera habe", sagt die 17-Jährige selbstbewusst, "nur habe ich noch keine Ahnung was ich da erzählen soll." Darum erst mal Politik. "Nach dem Studium sehe ich dann zu, wie ich da wieder reinkomme", lächelt sie und zeigt auf ihre sich in Endlosschleife wiederholende Moderation auf dem Fernsehbildschirm.