ZEIT ONLINE: Sie stellen Ihre eigenen Vorlesungen und Skripte auf YouTube . Was genau machen Sie da und wie hoch ist der technische Aufwand dafür?

Loviscach: Der Aufwand ist minimal. Ich habe mir vor ein paar Jahren einen gebrauchten Tablet-PC gekauft. Damit halte ich die Vorlesung, indem ich den Bildschirminhalt des Geräts mit einem Beamer an die Wand projiziere. Ich verwende keine Powerpoint-Folien. Das finde ich furchtbar, zumindest in Mathe und Informatik. Auf dem Tablet kann ich schreiben und zeichnen wie auf einem elektronischen Blatt . So kann man zum Beispiel auch live programmieren und zusammen die Programme verbessern. Alles, was ich da schreibe, zeichne und sage wird aufgezeichnet. Das ist dann ein Pencast, abgewandelt vom bekannten Podcast. Mich selbst sieht man nicht. Ich schneide nach der Vorlesung noch einige Störgeräusche heraus, lade alles auf YouTube hoch und das wars.

ZEIT ONLINE: Machen Sie sich damit als Dozent nicht überflüssig?

Jörn Loviscach: Das habe ich in letzter Zeit häufiger gehört. In dem Sinne: 'Das ist ein tolles Mittel gegen überfüllte Hörsäle.' Ich fürchte, dieser Gedanke führt nicht weit. Frontalunterricht ist nur ein kleiner Teil der Lehre. Wenn man sich wirklich nur meine Vorlesungen ansieht, hat man eine grobe Vorstellung, worum es geht, aber damit allein kann man überhaupt nichts anfangen. Der größte Teil des Lernens findet statt, wenn man sich selbst mit den Inhalten beschäftigt, sie durchdenkt und übt. Daher bin ich überhaupt nicht überflüssig geworden. Allerdings haben sich meine Vorlesungen durch die Video-Methode mittlerweile stark verändert.

ZEIT ONLINE: Was genau ist jetzt anders als zuvor?

Loviscach: In den Vorlesungen im Hörsaal kann ich jetzt viel interaktiver mit den Studenten arbeiten, mit ihnen Probleme besprechen. Ich gehe durch die Reihen und gucke allen über die Schulter, gebe Tipps und Hinweise. Dann bespreche ich es im Plenum. So wird die Veranstaltung viel lebendiger, als wenn einer 90 Minuten vorne steht und irgendetwas erzählt bis alle einschlafen.

ZEIT ONLINE: Warum haben Sie angefangen, so intensiv mit Videos zu arbeiten?

Loviscach: Erstens fragte ich mich, wie ich meine Vorlesungen verbessern kann. Zweitens hatte ich schon mehrere Jahre lang diese Vorlesungs-Videos angefertigt. Es war also ein nahe liegender Gedanke, den Studenten im Hörsaal zu sagen: "Schaut euch erstmal die Videos an und arbeitet die Skripte durch. In der Vorlesung arbeiten wir das dann zusammen durch".

ZEIT ONLINE: Wie kommt bei Ihren Studenten dieser eher ungewöhnliche Stil an?