Nach der Parlamentswahl in Québec beruhigt sich die Lage an den Universitäten der kanadischen Provinz nur teilweise. Viele Studenten sehen das Wahlergebnis zwar als ersten Erfolg, doch gleichzeitig herrscht Skepsis gegenüber der neuen Regierung.

Seit Monaten herrscht an den Québecer Unis der Ausnahmezustand. Auslöser waren die Pläne des ehemaligen Premierministers Jean Charest, die Studiengebühren massiv erhöhen zu wollen. Seitdem gehören Streiks, Demonstrationen und Unterrichtsausfälle zum Hochschulalltag. Bei der Parlamentswahl am Dienstag war die Partei des liberalen Regierungschefs Jean Charest abgewählt worden. Seine Nachfolgerin wird die Vorsitzende der linksgerichteten Parti Québécois (PQ), Pauline Marois. Zu ihren Wahlversprechen zählte, die Studiengebührenerhöhung zurücknehmen zu wollen.

Einige Studentenvereinigungen haben angekündigt, den Streik vorübergehend aufzuheben und abwarten zu wollen, ob die neue Regierung ihre Pläne auch umsetzt. Die Vereinigung der Vergleichenden Literaturwissenschaft (AELCUM) der Université de Montréal (UdeM) – als eine der wenigen Gruppierungen seit Februar konstant im Streik – hat am Mittwoch nach langen Diskussionen beschlossen, den Unterricht wieder aufzunehmen. Sie will der neuen Regierung damit die Chance geben, die Frage der Studiengebührenerhöhung zu regeln und das von Charest im Mai eingeführte Gesetz zur Einschränkung der Demonstrationsfreiheit wieder außer Kraft zu setzen.

Wahl ist für Studenten nur teilweise ein Erfolg

Allerdings setzte die ALECUM der Regierung ein Ultimatum: Sollten beide Forderungen bis zum Beginn des Wintersemesters am 1. Oktober nicht erfüllt sein, will die Organisation eine neue Generalversammlung einberufen und über erneute Streiks beraten.

"Die Studentenbewegung ist noch nicht zu Ende", sagt Mélanie Carpentier, Mitglied in der AELCUM. "Wir sind ja nicht nur gegen die Regierung, die jetzt abgewählt ist." Neben den Studiengebühren und dem Gesetz gehe es darum, gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Studiums zu kämpfen. Außerdem fordert die Studentin eine angemessene Verwendung der universitären Gelder und Transparenz. "Die Studenten müssen ernst genommen werden, das ist noch nicht erreicht." Deswegen sei die Wahl für sie nur teilweise ein Erfolg. Positiv beurteilt sie allerdings, dass die Jugendlichen aktiv geworden sind.