Etwa der resoluten jungen Dame, die kurz darauf straff in das Krankenzimmer marschiert. Der brünette Dutt sitzt adrett, an den Ohren schimmern Perlenohrringe. Die Stimme ist laut, man merkt, dass sie schon ein Praktikum in der Altenpflege gemacht hat. "Na, wie geht’s uns denn heute?", ruft sie über die Patientin gebeugt. Die Aufgaben erledigt sie akkurat. Doch wie viele Punkte sie bei der Einfühlsamkeit vergeben, darüber müssen die beiden Prüfer nachdenken. "Stabsärztin", murmelt Alnawaiseh. "Bei der Bundeswehr" ergänzt Heuft. Schweigen. "So was will man doch auch nicht."

Drei Räume weiter, auf der anderen Seite des Flurs, warten Professor Dr. Peter Zwanzger und Professor Dr. Ralph Lellé. Das Duo soll eine Sprechstunden-Simulation beurteilen: Wie gut können die Kandidaten eine vermeintlich alkoholkranke Patientin auf ihre hohen Leberwerte ansprechen? Ein blondes Mädchen führt das Gespräch freundlich und einfühlsam. Volle Punktzahl. Trotzdem bleiben Zweifel. "So eine kippt im OP doch um", flüstert Zwanzger zu Lellé, als die Kandidatin den Raum verlassen hat.

Andere Kandidaten verhalten sich unfreiwillig komisch: Ein junger Mann kann nicht nachvollziehen, warum die Leberwerte so hoch sind, als die Schauspielerin angibt, jeden Abend doch nur "zwei kleine Bierchen" zu trinken "und noch ein Schnäpschen". "Das ist ja jetzt nicht so viel. Und sonst wirklich nichts?"

"Neun von zehn sind schon nett"

Ein anderer Bewerber will durch Originalität glänzen. "Sorry, dass ich zu spät bin. Ich war gerade noch Mittag essen. Und habe da auch einen tollen Wein gehabt. Kennen Sie sich gut aus mit Wein?" – "Nein", erwidert die Schauspielerin und schweigt. Prof. Dr. Zwanzger stützt seinen Kopf in die Hände.

18 Uhr. Die letzte Trillerpfeife ist verklungen, der 80. Kandidat ist durch. Vom Flur brandet Gemurmel, Zwanziger und Lellé klappen nach sechs Stunden ihre Laptops zu. Ihr Fazit? Die jungen Leute seien schon sehr fit heutzutage. "Das ist schon irre, was die alles schon an Praktika gemacht haben", sagt Lellé. Allerdings seien die Kandidaten auch extrem brav und homogen. "Die kommen hier alle aus der Gegend und der ganze Jahrgang ist geprägt von diesen fleißigen schlauen Mädchen." Viele Bewerber seien fachlich gut, würden sich jedoch mit der Empathie schwertun, findet Gereon Heuft. "Trotzdem: Von zehn ist vielleicht einer so, dass man sagt, mach nichts mit Menschen. Neun sind schon nett."