"Österreich schmiedet Allianz gegen Deutsche Studenten", titelt Spiegel Online. "Piefke-Alarm",  schreibt die Süddeutsche Zeitung. Grund dafür ist eine Äußerung des österreichischen Wissenschaftsministers Karlheinz Töchterle, er wolle einheimische Bewerber an den Universitäten bevorzugen. Der Zustrom deutscher Studenten führe zu einer "Schieflage" an manchen Universitäten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Österreich versucht, die Zahl deutscher Studenten zu begrenzen. Eigentlich widerspricht das dem EU-Recht der Freizügigkeit: jeder EU-Bürger darf studieren, wo er will. Deshalb wendet Töchterle sich nun an die EU-Kommission. Gemeinsam mit Ländern wie den Niederlanden und Dänemark, die ebenfalls mit "asymmetrischer Mobilität" kämpfen, fordert er eine Lösung aus Brüssel.

Anlass ist unter anderem ein Urteil des Obersten Gerichtshofs. Dieser sprach einem ehemaligen Medizinstudenten Schadenersatz zu, weil er an einer überfüllten Hochschule nicht in Regelzeit studieren konnte. Österreich muss nun nachträglich die Lebenshaltungskosten und Studiengebühren bezahlen. Weitere Klagen könnten folgen.

"Ich habe ein Argumentationsproblem, wenn österreichische Studierende nicht in ihrer Heimatuniversität studieren könnten, weil eine hohe Anzahl ausländischer Studenten die Plätze besetzt", sagt Töchterle im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Problematisch sei vor allem die Situation an grenznahen Universitäten. Im Jahr 2012 traten in Salzburg zur Aufnahmeprüfung für Psychologie beispielsweise 77 Prozent Deutsche an.

Krasses Beispiel oder Alltag?

Mittlerweile kommt jeder zehnte Student in Österreich aus Deutschland, Tendenz steigend. Studierten vor zwölf Jahren noch rund 4.800 Deutsche an den österreichischen Unis, waren es vergangenes Jahr 28.500. Die Fächer mit dem höchsten Anteil an Deutschen sind Psychologie, Human- und Zahnmedizin. In Deutschland werden diese Fächer durch einen hohen Numerus Clausus beschränkt. In Österreich kann sie jeder studieren, der die Aufnahmeprüfung besteht. 

Anteilig verläuft der Studentenaustausch zwischen den Ländern relativ ausgeglichen. Da in Deutschland aber zehnmal mehr Menschen wohnen, unterscheiden sich die absoluten Zahlen erheblich.