Knapp eine Million Schüler und Studierende bekamen in Deutschland 2012 Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög). Das waren 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistisches Bundesamt jetzt mitteilte. Während die Zahl der geförderten Studenten um 4,3 Prozent auf 671.000 stieg, fiel die Zahl der geförderten Schüler um 3,4 Prozent auf 308.000.

Geförderte Studenten erhielten im Durchschnitt 448 Euro pro Monat, Schüler 401 Euro. Die Ausgaben des Bundes und der Länder für Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz stiegen um 3,1 Prozent auf etwa 3,3 Milliarden Euro. Knapp die Hälfte der Bafög-Empfänger erhielt den maximalen Förderbetrag, der abhängig ist vom Einkommen der Eltern oder des Ehepartners sowie der Art der Ausbildungsstätte.

Während das Deutsche Studentenwerk den Anstieg begrüßte, kritisierte der Deutsche Gewerkschaftsbund den Zuwachs als nicht ausreichend. Angesichts des rasanten Anstiegs der Studierendenzahlen seien 1,7 Prozent viel zu gering. Die Fördersätze müssten zudem deutlich angehoben, die Bafög-Strukturreform endlich in Angriff genommen werden. Die Linke verlangte eine Bafög-Erhöhung um mindestens zehn Prozent und eine Ausweitung des Berechtigtenkreises.

Das Bundesbildungsministerium kündigte derweil erneut eine Bafög-Novelle an. Mit den Ländern werde über eine strukturelle Weiterentwicklung gesprochen, sagte Ministerin Johanna Wanka (CDU). "Ich möchte, dass sich das Bafög stärker an der unterschiedlichen Lebenswirklichkeit der Studierenden orientiert." Die Förderung müsse flexibler werden. "Die einen steigen später ein, andere setzen mal aus, bekommen Kinder, studieren Teilzeit."

Die SPD kritisierte, die geplante Novelle sei "nicht mehr als warme Worte" für die Studierenden. In den Haushaltsplänen gebe es bis 2017 keine zusätzlichen Mittel. Die Linke forderte eine Bafög-Erhöhung um mindestens zehn Prozent und eine Ausweitung des Berechtigtenkreises.

Unterdessen stärkte das höchste EU-Gericht Auslandsstudenten den Rücken. Deutschland dürfe die Förderung eines kompletten EU-Auslandsstudiums nicht mehr von der Wohnsitz-Regel abhängig machen, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Die deutsche Regelung, dass ein Student nur dann staatliche Unterstützung für den längeren Auslandsaufenthalt bekomme, wenn er unmittelbar vor Beginn des Studiums drei Jahre ständig im Inland gewohnt habe, verstoße gegen EU-Recht.