Forscher, die betrügen und Akademiker, die plagiieren – die Hochschulen wollen künftig dafür sorgen, dass Schummeln an der Uni schwerer wird. Nur wie? Mit ihrer Selbstkontrolle müsse die Wissenschaft "das entscheidende Instrument" dafür sein, erklärte Dorothee Dzwonnek, die Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kürzlich zur Vorstellung aktualisierter Empfehlungen für gute wissenschaftliche Praxis. Aber kann die Selbstkontrolle an den Unis das leisten?

Die DFG fördert Spitzenforschung an Unis und Fachhochschulen mit jährlich rund zwei Milliarden Euro von Bund und Ländern. Auf ihren Vorschlag gibt es schon seit 15 Jahren so gut wie an allen Hochschulen amtliche Ansprechpartner (Ombuds-Leute) und Kommissionen, die Hinweise auf Pfusch und Täuschung überprüfen."Wir müssen auch hinfort bei der Qualitätssicherung selber das Heft in der Hand halten", sagte Dzwonnek.

Aber offensichtlich haben seit ein paar Jahren anonyme oder auch namhafte Ermittler auf privaten Internetplattformen wie Guttenplag und Vroniplag oder dem Laborjournal den Hochschulen das Heft aus der Hand genommen: In der Fehlersuche sind sie häufig schneller als die hochschulinternen Aufklärer. Nun komme es darauf an, sich von externen Entdeckern nicht mehr überholen zu lassen und nur noch zu reagieren, meint auch Horst Hippler als Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Das sei man sich – und mahnenden Stimmen aus der Politik – einfach schuldig.

Deshalb hat die HRK für sich schon im Mai beansprucht, dass die Selbstkontrolle innerhalb der Hochschulen Vorrang haben müsse – vor allen anderen Wegen zur Wahrheitsfindung. Annähernd 2.000 Wissenschaftler sehen das anders, und haben sich an einer Unterschriftenaktion dazu beteiligt.

Im Unterschied zur offenen wissenschaftlichen Auseinandersetzung in der Fachliteratur sollen hochschulinterne Prüfungen in Ombuds- und Kommissionsverfahren Vorwürfe vertraulich klären. Dieser Weg bietet sich Kritikern an, die ihren Anfangsverdacht lieber nicht unter dem eigenen Namen öffentlich machen wollen. Die HRK-Empfehlungen sprechen allerdings missverständlich allein von "Qualitätssicherung" durch das interne Prüfverfahren. Demgegenüber stellt die DFG nachträglich klar, dass es sich dabei in Wirklichkeit immer nur um eine "komplementäre", also ergänzende Variante der Wahrheitssuche handeln kann. Und diese müsse auch nicht zwingend zuerst innerhalb der Uni erfolgen, also bevor jemand Vorwürfe online öffentlich macht.

Hochschulen wollen Hinweisgeber am Whistleblowing hindern

Wenn sich der Hinweisgeber im Ombudsverfahren mit seinem Verdacht gleichzeitig an die Öffentlichkeit wendet, verstößt er laut HRK allerdings "regelmäßig selbst gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis." Folglich könnte er oder sie dafür auch disziplinar- oder arbeitsrechtlich belangt werden.

Das geht aber nach höchstrichterlicher Rechtsprechung überhaupt nur, wenn ein Verleumder mit völlig haltlosen Vorwürfen selber "die Grenzen der Wissenschaftsfreiheit zweifelsfrei überschritten hat." So weist die Fachzeitschrift Nature in einem aktuellen Leitartikel ihrer Europa-Korrespondentin Alison Abbott zutreffend darauf hin, dass die deutschen Empfehlungen in Wirklichkeit nichts über den Umgang mit böswilligen Informanten sagen.