Andere unterstellen ihm eine Gewinnabsicht. Der Uni Münster bot er seine Dienste für 5.000 Euro jährlich an. Auf dem Blog Vroniplag rechnet ein User vor, dass er sich davon – hochgerechnet auf alle deutschen Unis und Fachhochschulen – rund eine halbe Million Euro versprochen haben dürfte. Kamenz sagt, sein einziges Ziel sei es, Deutschland plagiatfrei zu machen.

Schon 2011 rief er die Initiative "Plagiatfreies Deutschland" ins Leben. Seine Idee: Langfristig soll jeder Student sein Manuskript von ihm prüfen lassen. "Irgendwann werden Professoren erwarten, dass die Studenten unseren Prüfbericht einreichen." Dem Programm sei es egal, ob es hundert oder tausend Fälle pro Tag analysiert. "Die Software kann das."

Einige Monate nachdem Karl-Theodor zu Guttenberg der Doktortitel aberkannt wurde, startete Kamenz das Projekt "PolDiss": Mindestens 1.000 Doktorarbeiten von Politikern wollte er untersuchen. Der damaligen Wissenschaftsministerin Annette Schavan schlug er eine Kooperation vor und wollte, dass sie ihn finanziell unterstützte. Erfolglos.

"Vorrangig wirtschaftlich motiviert"

Auch die Uni Münster schlug sein Angebot aus, sie hielt es für "unseriös" und "vorrangig wirtschaftlich motiviert". Andere Unis wollten seine Dienste ebenfalls nicht.

Im April dieses Jahres war Kamenz erneut in den Medien, weil er noch vor der Bundestagswahl eine Rangliste der verdächtigen Dissertationen aller Bundestagskandidaten veröffentlichen wollte. Bei etwa 20 Politikern vermutete er Plagiate. Diese Rangliste hat er bis heute nicht veröffentlicht. Dafür habe das Geld nicht gereicht, sagt Kamenz.

Doch er hat die Idee nicht aufgegeben: Er will ein aktualisiertes Ranking der 120 neuen Bundestagsmitglieder mit Doktortitel erstellen. "Die ersten Ergebnisse werden wir in ein, zwei Wochen veröffentlichen." Er hätte weitere Plagiate gefunden. Wenn das Ranking erst veröffentlicht sei, würde jeder sehen: "Den Kamenz und das Profnet-Institut muss man ernst nehmen."

Kamenz weiß um die Brisanz seiner Vorwürfe gegen Steinmeier. Doch der SPD-Fraktionsvorsitzende ist für ihn "einer von Hunderttausenden". Allerdings bekomme man nur mit prominenten Namen die nötige Aufmerksamkeit. "Dann findet man auch wieder ein paar Sponsoren."