Die Stimme von HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz brach, als er im Akademischen Senat zum Kern seiner Erklärung kam: "Ich lege mein Amt nieder. Auch wenn ich gerne Präsident dieser Universität bin." Mit voller Kraft habe er sich für Veränderungen an der Humboldt-Universität eingesetzt, doch jetzt gehe es nicht so weiter wie bisher. "Ich folge nicht meinem Herzen und meinem Willen. Aber ich kann nicht erkennen, wie wir unser Schiff auf Kurs halten können. Niemanden schmerzt das so wie mich selbst." Olbertz stand auf, setzte sich an die Seite und übergab die Sitzungsleitung an einen Vizepräsidenten.

Vorangegangen war eine dramatische Sitzung des Gremiums. Der Streit Olbertz’ mit den Studierenden über eines seiner Kernvorhaben, die Reform der Fakultäten, war eskaliert. Die Studierenden hatten nach stundenlangen Diskussionen ein suspensives ("aufschiebendes") Gruppenveto gegen das Projekt eingelegt. Das Thema war damit zum großen Ärger von Olbertz zum wiederholten Male vertagt, obwohl es eigentlich eine Mehrheit unter den AS-Mitgliedern für das Projekt gab.

Auf die Erklärung des Präsidenten folgten turbulente Szenen. Die Sitzung wurde unterbrochen. Michael Seadle, Dekan der Philosophischen Fakultät I, rief unter lautem Klatschen der Professoren: "Bitte nehmen Sie ihren Entschluss zurück. Wir brauchen Sie!" Professoren redeten auf die Studierenden ein, das Veto zurückzunehmen, auch Olbertz sprach mit ihnen. 

Olbertz legte das Amt "nicht im Affekt" nieder

Mit Erfolg: Die Studierenden zogen ihr Veto zurück – und Olbertz erklärte nach einer halben Stunde den Rücktritt von seinem Rücktritt. Einige im Saal jubelten, die Professoren sprangen zum Klatschen auf. Selbst die Studierenden klopften lange zustimmend auf ihren Tisch. Diese seien offenbar von seiner Reaktion überrascht gewesen und hätten den Rücktritt nicht gewünscht, sagte Olbertz. Jetzt gehe es darum, mit dem "Crash" intelligent umzugehen: "Noch einmal kann ich in dieser Legislaturperiode nicht zurücktreten."

Olbertz legte sein Amt "nicht im Affekt" nieder, wie er dann selber erklärte. Vielmehr habe er bereits in den Tagen zuvor bei den Verhandlungen um die Reform "deutlich gemacht", dass ihm bei einer weiteren Verzögerung des Projekts der nötige Handlungsspielraum für sein Amt fehle. Doch die Studierenden hatten das nicht ernst genommen – auch weil Olbertz häufiger intern mit Rücktritt drohe, wie ein Studentenvertreter später auf Nachfrage sagte.

Eigentlich hatte die Sitzung am Morgen gut für Olbertz begonnen: Eine Mitarbeiterin hatte Glücksschweine aus Marzipan an ihn und seine Vizepräsidenten verteilt. Um die Fakultätsreform streitet die HU seit Monaten. Olbertz will Fakultäten zusammenlegen. Verwaltung und Leitung der Uni sollen gestrafft werden.